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Montag, 21. März 2016

Antarktis 3 – Landausflüge

Das Salz in der Suppe, oder die Höhepunkte der Reise sind die Exkursionen. Entweder wird mit den Zodiacs eine Pirschfahrt gemacht, oder – falls möglich – an einem Strand angelandet.

Die wichtigste Entscheidung des Tages haben wir bereits vor der Exkursion zu treffen. Was ziehen wir an? Eine Pirschfahrt dauert ein paar Stunden, da kann es im Zodiac schon ziemlich kalt, und – bei Wellengang – auch ziemlich nass werden. Bei Landausflügen ist die Variationsbreite noch größer. Die Landung ist immer nass, d.h. wir steigen in das, mindestens, knöcheltiefe Wasser am Strand. Danach kann es windig und kalt, oder aber auch sonnig und warm sein. Wir lösen das Problem, indem wir einen Satz Ersatzwäsche mitnehmen. Falls das Wetter sich ändert, ziehen wir uns eben um.
Bereit zur Exkursion
Unsere Erste Landung ist auf „Deception Island“. Deception Island ist eine Vulkaninsel. Der Krater ist mit Wasser gefüllt und das Schiff segelt durch eine kleine Öffnung in den Krater. Der Vulkan ist noch aktiv. Allerdings liegt der letzte Ausbruch liegt schon 46 Jahre zurück. Es ist richtig warm. Zunächst laufen wir am Strand etwas hin-und her. Ein paar Pinguine und ein Seehund sonnen sich. Weder die Einen noch der Andere sind scheu. Dann sehen wir noch die Reste einer ehemaligen Forschungsstation, welche beim letzten Ausbruch des Vulkans zerstört wurde. Anschließend besteigen wir einen Hügel (100 Meter Höhe) mit einem wundervollen Blick über den Krater. 
Blick in den Krater
Der Aufstieg ist in der losen Vulkanasche ziemlich mühsam, der Abstieg hingegen ziemlich einfach, da wir – wie auf einer Düne – runterschlittern. Zum Abschluss – der Höhepunkt des Vormittags, nehmen wir noch ein Bad im Wasser des „Südlichen Meer“. Am Strand hat sich eine Mulde gebildet. Das Wasser in der Mulde ist angenehm warm. Da hält man es gut aus. Im Gegensatz zum Wasser außerhalb der Mulde. Das hat vielleicht 2-3°C. Da reicht es gerade einmal zu einem kurzem Eintauchen.
Badefreuden in der Antarktis
Am Nachmittag gleich die nächste Anlandung am Hannah Point auf Livingston Island.
Wir landen an einer Pinguinkolonie. Hunderte von Zügelpinguinen nisten hier. Wir laufen zwischen den Pinguinen umher. Neugierig wie sie sind, nähern sie sich manchmal auf einen Meter um den großen Pinguin mit der blauen Windjacke zu besichtigen.
Zügelpinguine
Ein paar Meter weiter liegen einige Dutzend Seeelefanten faul in der Sonne. Wieder ein paar Meter weiter einige Robben. Insgesamt wandern wir zwei Stunden über den Strand. Dauernd treten wir in die Hinterlassenschaften der Pinguine und es stinkt erbärmlich.

Sonnenanbeter
Bevor es wieder an Bord geht, unterziehen wir die Gummistiefel einer Generalreinigung.

Die nächste Landung führt uns zum Mikkelsen Harbour auf Trinity Island. Auf Trintity Island leben Eselspinguine und verschiedene Robbenarten, darunter auch Maggellanrobben. Wir sind ziemlich spät in der Saison unterwegs, d.h. die Pinguinküken sind jetzt so groß wie die Eltern und haben sich eine ordentliche Fettschicht angefressen. Lediglich das Flaum-Federkleid ist noch nicht vollständig weg. Jetzt jagen sie ihren Eltern, auf der Suche nach Futter, hinterher, was teilweise urkomisch ist.

In Brown Bluff landen wir zum ersten Mal auf der antarktischen Halbinsel. Mehr als 98% des antarktischen Kontinents ist von Eis bedeckt. Der Strand von Brown Bluff gehört nicht dazu. Es ist ein kurzer Weg zum Strand. Ein paar Eisbrocken müssen umfahren werden. Wir setzen unseren Fuß auf den 7. Kontigent.
Rast auf der Eisbank
Ein paar Pinguine und Fur-Seals lungern herum. Nach einer halben Stunde wird jedoch zum Aufbruch gedrängt, da das Eis dichter wird. 

Unser letzter Landausflug führt uns auf die argentinischen Antarktis Station „Esperanza“. Die Station existiert seit 1952 und steht an der Stelle, an der 1902 drei Mitglieder der schwedischen Antarktisexpedition überwintern mussten. Die „Hut“ der Schweden steht noch und ist inzwischen ein Denkmal. 
"Hut" von 1902 
Auf der Station leben zur Zeit 56 Personen (für ein Jahr). 13 davon sind Kinder zwischen 18 Monaten und 17 Jahren. Der stellvertretende Stationsleiter empfängt uns nach der Landung. Wir werden durch die kleine Stadt geführt. Bekommen Schulhaus (mit zwei Klassenräumen, Computerraum und Aula), Kirche (10 Plätze, tägliche Messe) und Gemeinschaftsraum (mit Billardtisch, historischen Tischfußball und Bar) gezeigt.

Und wir stellen fest, dass es auch in der Antarktis Autos gibt. Uns begegnen ein Pick-Up und ein Unimogverschnitt.


Eine der Wissenschaftlerinnen (Mara) lädt uns in ihr Haus ein. Alles ist ziemlich klein und rustikal. Bad, Küche, drei Schlafzimmer und ein Wohnzimmer. 
Klein, aber warm - Schlafraum in der Station
Die Station ist mit großen Satellitenschüsseln an die Außenwelt angeschlossen. 
Kein Ausguck, sondern das "Stille Örtchen"
Fernsehen und Internet sind anscheinend kein Problem und wahrscheinlich eine der wenigen Ablenkungen in den langen, dunklen und kalten Wintermonaten.


Auf den Landausflügen haben wir unzählige Pinguine, Robben und Vögel gesehen. Bei den Pirschfahrten mit den Zodiacs wollen wir nun Wale aus der Nähe erleben.

Montag, 7. März 2016

Antarktis 2 – Ein normaler Tag in der Antarktis

Unser Schiff, die AKADEMIK VAVILOV, ist ein ehemaliges Forschungsschiff. Dementsprechend einfach sind die Kabinen. Dafür ist das Schiff mit sehr ruhigen Maschinen und einem sehr effektiven Stabilisatorsystem ausgestattet. 
Unsere Kabine - Klein. aber zweckmäßig und sauber
Und, ein unschätzbarer Vorteil, es sind nur 58 Passagiere mit auf der Reise. Wir werden von 42 russischen Crew-Mitgliedern, die für den Service und das Führen des Schiffes verantwortlich sind, umsorgt. Daneben sind noch 22 Tourguides und Wissenschaftler an Bord, die für die Exkursionen und die begleitenden Vorträge zuständig sind, dabei.
Die AKADEMIK VAVILOV
Die Reiseroute ist ambitioniert. Zunächst wollen wir die South Shetland Inseln, dann die Ostseite der Antarktischen Halbinsel erkunden. Danach durch den Antarctic Sound in die Weddelsea um schließlich über Elefant Island und durch die Drake Passage zu den Falkland Inseln fahren. Von dort geht es mit dem Flugzeug zurück nach Punta Arenas.

Damit das Programm auch abgearbeitet werden kann, ist der Tag straff durchorganisiert und beginnt um 7:00 Uhr. Mit einer einfühlsamen Lautsprecherdurchsage werden alle geweckt und eindringlich gebeten um 7:30 Uhr pünktlich zum Frühstück zu erscheinen.
Sonnenaufgang
Nach dem – reichhaltigen – Frühstück bleibt noch etwas Zeit zum Anziehen der Schlechtwetterausrüstung. Dann geht es an die Gangway zur Vormittagsexkursion. Für 2-3 Stunden geht es Land oder es wird eine Rundfahrt mit den Zodiacs veranstaltet. Genaueres zu den Exkursionen findet ihr in einem separaten Blogeintrag.
Fertig zur Exkursion
Nach der Rückkehr von der ersten Exkursion des Tages legt das Schiff wieder ab und fährt zum nächsten Ziel und wir ziehen uns wieder um. Die Schlechtwetterausrüstung wird zum Trocknen aufgehängt und wir gehen zum Mittagessen ( auch sehr reichhaltig).

Bis zum ersten Vortrag des Tages bleiben dann noch üppige 30 Minuten in denen wir schnell einen kleinen Mittagsschlaf einschieben. Völlig ungestört, vorausgesetzt, das nicht gerade ein Wal gesichtet wird, was glücklicher weise ziemlich häufig vorkommt. 
Wal gesichtet ?
Zweimal sichten wir Orcas (Killerwale), welche ja nur dem Namen nach „Wale“ sind. Tatsächlich handelt es sich bei Orcas jedoch um Delphine. Mehrmals sehen wir, Buckelwale und Finwale. Einmal einen Buckelwal der direkt vor dem Schiff „aus dem Wasser“ springt.
Buckelwal beim "Breaching"
Egal ob Wal, Delphin oder nicht, bis um 16:00 Uhr hat das Schiff den zweiten Ankerplatz des Tages erreicht. Dann beginnt das gleiche Procedere wie am Vormittag. Umziehen und ab in die Zodiacs.
Die Zodiacs warten auf ihren Einsatz
Spätestens gegen 19:00 Uhr sind wir wieder zurück und, wer hätte es gedacht, ziehen uns wieder um. Das Schiff legt ab. Das Abendessen wird serviert (noch reichhaltiger).
Die Antarktis gleitet an unserem Kabinenfenster vorbei
Bevor um 21:00 Uhr der abendliche Vortrag gehalten wird, kann man versuchen noch etwas Zeit zum Duschen oder relaxen in der Bar zu finden.
Smothies in der Bar
Sollte das Wetter eine Exkursion unmöglich machen, wird die Exkursion schnell durch einen Vortrag über Wale, Pinguine, Eis, Krill, Klimawandel oder … ersetzt. Es soll ja keine Langeweile aufkommen.

Meistens sind wir um 23:00 Uhr so müde, das wir direkt ins Bett gehen, denn morgen gibt es um 7:00 Uhr wieder eine Lautsprecherdurchsage.....
Die Eisberge leuchten im Mondlicht
Wir haben es nicht geglaubt, aber es stimmt was im Reiseprospekt steht: Die Reise ist weniger eine Kreuzfahrt, sondern eher eine Expedition. Und das gefällt uns doch sehr.

Sonntag, 6. März 2016

Antarktis 1 – Anreise

Die Arktis ist ein Meer, umgeben von Kontinenten und die Antarktis ist ein Kontinent umgeben von Meer (habe ich irgendwo gelesen). Und genau da liegt das Problem bei der Anreise. 

Von Südamerika - der Kontinent, der am nächsten an der Antarktis liegt – sind es noch etwa 1.000 Kilometer über die grundsätzlich stürmische Drake Passage bis zum Antarktischen Kontinent. Die Strecke kann man in zwei Tagen mit dem Schiff, oder in zwei Stunden mit dem Flugzeug zurücklegen. Bei unserer Tour sind beide Varianten enthalten. Hin geht es mit dem Flugzeug, zurück (zumindest bis zu den Falklandinseln) mit dem Schiff.

Der Abflug ist für den 23.2. vorgesehen. Wir sollen uns am 22.2. im Hotel „Cabo de Hornus“ in Punta Arenas zur Vorbesprechung einfinden. Als alle da sind (58 Mitreisende) kommt die schlechte Nachricht. Auf „King George Island“ - der Insel mit dem Flughafen in der Antarktis  – tobt ein Schneesturm. Der Flughafen ist geschlossen, der Flug ist abgesagt und wir sollen Morgen wieder vorbeikommen, dann gibt es neue Nachrichten.
Also am nächsten Tag wieder ins „Cabo de Hornus“. Es gibt einen Hoffnungsschimmer. Wetterbesserung ist vorhergesagt. Der Flug soll am nächsten Tag früh um 9:00 Uhr starten.

Am nächsten Morgen (24.2.) werden wir um 6:00 Uhr zum Flughafen von Punta Arenas gebracht. Der Flug findet statt. Das Wetter hat sich gebessert. Es schneit nicht mehr. Auf der Landebahn liegt zwar noch Schnee, aber das Flugzeug fliegt trotzdem. Dem Wetter wird aber nicht getraut. Wir werden zur Eile gedrängt. Das Flugzeug fliegt dann auch eine halbe Stunde früher als geplant. Der Flug selbst dauert zwei Stunden. Keine Turbulenzen. Strahlender Sonnenschein, aber unter uns eine graue Wolkendecke. 
Grau in Grau - Unser erster Blick auf die Antarktis
Kaum hat das Flugzeug die Wolkendecke durchbrochen, taucht auch schon die Landebahn auf. Alles ist weiß vom Neuschnee. Der Flughafen entpuppt sich als Schotterpiste mit ein paar Landelichtern am Rand. 
Flughafen Antarktis - Ziemlich frisch
Beim Aussteigen beträgt die Temperatur knapp 0°C. Ziemlich frisch und keine Möglichkeit zum Aufwärmen, da es keinerlei Gebäude gibt. Vor uns liegt ein 2 Kilometer langer Fußmarsch durch den Neuschnee zum Strand. Dort warten die Zodiacs (Schlauchboote mit Außenbordmotor) auf uns, mit denen wir auf das Schiff gebracht werden. Bevor wir in die Zodiacs steigen, werden Schwimmwesten verteilt und es gibt eine Einweisung, wie wir in die Zodiacs ein- und auch aussteigen sollen. 
Vor der Fahrt mit dem Zodiac - Einkleidung
Die Einweisung wird nicht die Letzte für heute sein. An Bord folgen dann noch Rettungsübung, Einweisung in die Antarktisregularien für Touristen, Einkleidung mit Gummistiefeln, wasserdichter Hose und Jacke.


Auf dem Schiff angekommen, beziehen wir unsere Kabine und bekommen in der Bar heiße Getränke. 
Das tut gut ... eine warme Schokolade in der Bar
Mit knapp 24 Stunden Verspätung sind wir in der Antarktis. Kaum ist der letzte Passagier an Bord wird der Anker gelichtet und wir fahren nach Süden.
Die erste Eisscholle

Montag, 22. Februar 2016

Chile 1 – Punta Arenas

Punta Arenas liegt auf dem Südamerikanischen Festland,d.h. das wir von Feuerland wieder eine Fähre nehmen müssen. Die Fähre von Porvenir nach Punta Arenas fährt nur einmal am Tag. Die Abfahrtszeiten wechseln. Wir sind also darauf eingerichtet noch einen Tag warten zu müssen als wir an den Hafen kommen, aber manchmal hat man einfach nur Glück. Die nächste Fähre fährt schon in drei Stunden. 
Erweckt vertrauen - Fähre von Porvenir nach Punta Arenas 

Unser Glück hält auch bei der Überfahrt über die Magellanstraße an. Der Wind ist moderat und ein paar Delfine begleiten das Schiff eine Weile.
Direkt neben der Fähre - Delfine
Bei der Einfahrt in den Hafen sehen wir auch noch dass berühmte deutsche Forschungsschiff „Polarstern“.
Forschungsschiff Polarstern in Punta Arenas
In Punta Arenas haben wir zunächst etwas Probleme einen Übernachtungsplatz zu finden. Wir studieren das Internet, wo andere Reisende übernachtet haben. Die Einen haben an der Uferstraße übernachtet (eine 4-spurige Schnellstraße) die Anderen im „Hostel Independencia“. Dort soll man campen können. Der „Campingplatz“ entpuppt sich als Grasfläche von vielleicht 100 qm auf der dicht an dicht etwa 20 !!! Zelte stehen und als winziger Hof in dem man parken könnte. Wir verzichten dankend. Inzwischen naht der Abend und wir sind noch immer auf der Suche. Schließlich fahren wir zum Aussichtspunkt „.Cerro de la Cruz“ Dort gibt es einen kleinen Schotterparkplatz mit einer grandiosen Sicht über die Stadt. Der Platz ist wirklich schön und ist dann auch sehr ruhig in der Nacht.
"Cerro de la Cruz" - Übernachtung mit Aussicht
Vor Abflug in die Antarktis müssen wir noch ein paar Kleinigkeiten klären. Zunächst benötigen wir einen sicheren Parkplatz für das Ogermobil. Als wir Claudio ,den Agenten unseres Reiseveranstalters fragen, ob er einen Platz wüsste, antwortet er – ohne zu zögern – „Ja, natürlich“. Sein Vater hat einen großen Hof. Da können wir das Auto abstellen.

Claudio will auch noch wissen ob wir mit dem Zoll geklärt haben, dass das Auto im Land bleibt, während wir in die Antarktis fliegen. Haben wir natürlich nicht, da wir daran überhaupt nicht gedacht haben. Also am nächsten Morgen zum Zoll. Der Beamte sieht kein großes Problem. Wir bräuchten nur einen Chilenen, der für die Zeit unserer Abwesenheit, die Verantwortung für das Auto übernimmt. Mit dem sollen wir dann wieder zu Ihm kommen, damit das in die Zollpapiere eingetragen wird. Also fragen wir wider Claudio. „Kein Problem“ sagt er, und am nächsten Morgen stehen wir also gemeinsam mit Claudio beim Zoll und lassen ihn als Verantwortlichen eintragen.

Jetzt bleibt uns auch noch etwas Zeit für die Besichtigung der Stadt. Unbedingt sehenswert ist der Friedhof. Nicht ganz so prunkvoll wie der Friedhof in Buenos Aires aber doch ebenfalls imposant.
Punta Arenas - Friedhof 1 - die großzügigen Gräber
Punta Arenas - Friedhof 2 - "Plattenbau"
Zum Abschluss besichtigen wir noch das Museum im Wohnhaus der Familie Braun-Menendez. Gebaut am Anfang des 20.Jahrhunderts gibt es einen Einblick in die Wohnsituation der Oberschicht zu der Zeit. Die Familie gehörte damals zu den reichsten Schafzüchtern im Ort. Das sieht man dem Gebäude an und die Ausstattung des Gebäudes ist auch nur vom Feinsten. 
Wohnhaus Braun-Menendez - Billiardzimmer
Parkett aus Belgien, Marmor aus Italien, Möbel aus England und Frankreich. Man gönnt sich ja sonst nichts. Sogar die Bäder der Bediensteten hatten Toiletten mit Wasserspülung und Badewannen mit fließend Kalt- und Warmwasser. Wohlgemerkt erbaut wurde das Gebäude um 1910.
Wohnhaus Braun-Menendez - Musikzimmer
Bis zum Abflug in die Antarktis haben wir jetzt noch zwei Tage Zeit. Wir verbringen sie mit dem Lesen von Büchern über die Antarktis. Der Expeditionsbericht von Shakleton's Reise mit der Endurance (1914-1917), den Tagebüchern von Scott's tragischer Südpolexpedition (1910-1912) und Berichte über die Forschungsreise der „Polarstern“ von 2013. Wir wollen schließlich wissen worauf wir uns einlassen.

Montag, 15. Februar 2016

Argentinien 3 – Feuerland

Der Wind von gestern Abend hat weiter aufgefrischt und sich zu einem veritablen Sturm entwickelt. Heute warten nur wenige Autos an der Anlegestelle nach Feuerland. Zunächst fährt wegen des Sturms jedoch keine Fähre. Erst im Laufe des Vormittags kommt das erste Schiff, welches wir auch gleich erwischen. Die Überfahrt nach Feuerland dauert zwar nur 40 Minuten ist aber sehr unruhig. Die Wellen sind sicher 3-4 Meter hoch und die Fähre wird kräftig hin und her geworfen. Wir erreichen aber doch unbeschadet das andere Ufer. Da der Sturm nicht nachlässt verbringen wir die Nacht in Rio Grande (größte Stadt auf Feuerland) im Windschatten eines größeren Hauses.
Rio Grande - Die Ruhe nach dem Sturm
Am nächsten Morgen ist der Spuk vorbei. Am Nachmittag haben wir Ushuaia, die südlichste Stadt der Welt erreicht. Der Ort ist nicht besonders schön, lebt aber von seiner geografischen Lage. 
Ushuaia - Die südlichste Stadt auf dem Globus
Kreuzfahrtschiffe geben sich hier „die Klinke in die Hand“. Während unseres Aufenthaltes macht auch die „Queen Mary 2“ im Hafen fest.
Ushuaia - Queen Mary 2 (rechts) im Hafen
Der Ort ist ideal zur Versorgung. Es gibt mehrere Supermärkte und den - wahrscheinlich - billigsten Diesel in Argentinien. Neben unendlich vielen Bars und Lokalen hat Ushuaia auch ein Gefängnismuseum zu bieten. In Ushuaia lebten in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts mehr Häftlinge als normale Einwohner. Das – sehr gut erhaltene –, aber geschlossene Gefängnis kann jetzt besichtigt werden.
Ushuaia - Gefängnis Museum
Uns zieht es jedoch noch weiter. Nur 25 Kilometer hinter Ushuaia endet die RN 3, auf der wir seit Buenos Aires nach Süden gefahren sind. Die Straße endet, im Nationalpark „Tierra del Fuego“, wenig spektakulär bei 54° 31,318' Süd als Schotterparkplatz. 
Hier ist die Straße zu Ende - 3079 km von Buenos Aires
Weiter südlich kommt man weltweit mit dem Auto nicht, d.h. ab hier geht es zwangsweise wieder nordwärts. Wir verbringen noch ein paar Tage im Nationalpark. Die Campingplätze im Park sind kostenfrei und einige der Tiere sind doch schon sehr an Menschen gewöhnt. So bekommen wir regelmäßig Besuch von einem Paar Füchse. 
P.N Tierra del Fuego - Fuchs zu besuch

Sobald das Wetter aufreißt wird es angenehm warm ( über 15° C) und wir unternehmen ein paar kleine Wanderungen. 
P.N Tierra del Fuego - Wanderer bei der Rast
P.N. Tierra del Fuego - Manchmal scheint doch die Sonne
Am Abend verkriechen wir uns schnell im Ogermobil, denn es wird schnell empfindlich kühl. Die Temperaturen sinken bis auf 2°C.

Bis nach Punta Arenas (dort startet unsere Antarktis-Tour) sind es jetzt noch 450 Kilometer. Wir machen uns auf den Weg und hoffen stark, dass das Wetter dort etwas wärmer ist.






Mittwoch, 10. Februar 2016

Argentinien 2 – Auf der RN 3 durch Patagonien

Patagonien beginnt - auf der RN 3 - rund 650 km südlich von Buenos Aires. Kurz hinter der Stadt Bahia Blanca liegt die Provinzgrenze und auch eine Lebensmittelkontrolle. Wir dürfen 3 € dafür bezahlen, dass der Bestand an Lebensmitteln überprüft wird. Es wird nach Obst gesucht. Falls etwas gefunden werden sollte, würde es konfisziert werden. Solche Kontrollen werden wir später noch öfter erleben. Wir haben unser Obst, Gemüse und Fleisch jedoch versteckt, so dass der – nicht sehr eifrige - Kontrolleur nichts findet. Bei Las Grutas, einem beliebten Badeort. Suchen wir uns ein windgeschütztes Plätzchen zwischen den Dünen. Dort bleiben wir ein paar Tage und feiern meinen Geburtstag.
Geburtstag
Zumindest in diesem Teil Argentiniens kann man wirklich überall campen. Niemand beschwert sich und die Polizei interessiert sich auch nicht für Wildcamper. Toll !!!
Las Grutas - Paradies für Wildcamper
Die RN 3 ist eine meistens gut ausgebaut und manchmal über sehr lange Strecken schnurgerade. Das längste Stück ging 107 KM nur geradeaus. Der Verkehr ist insgesamt nur mäßig und die Landschaft ist eintönig. Wir befinden uns in der Pampas und wir wissen jetzt, woher die Redensart „Jemanden in die Pampas schicken „ kommt. Denn hier (in der Pampas) ist, abgesehen von Sträuchern, Gras, Weidezäunen und Wind absolut nichts.
RN 3 - Immer geradeaus
Tage später erreichen wir – ein Highlight auf der Fahrt - die Halbinsel Valdez. An den Stränden der Halbinsel tummeln sich Seelöwen, Seeelefanten und Magellanpinguine. Manchmal leider etwas weit weg. 
Seelöwe mit Harem und Nachwuchs
Manchmal kommt man aber auch sehr nah heran.
Magellanpinguin
Auf der Halbinsel leben Gürteltiere und Guanacos. 
Gürteltier
Zu anderen Jahreszeiten sind auch viele Wale in den Buchten zu sehen. Jetzt leider nicht.

Nur rund 150 Kilometer weiter, in Tewes gibt es ein sehr interessantes Paläontologisches Museum. In dem Museum werden Saurierskelette aus Patagonien präsentiert.
MEF Museum in Tewes
MEF Museum in Tewes
Die nächsten 400 Kilometer ist – außer Pampas – nichts zu sehen. In Caleta Olivia, eine der wenigen Siedlungen an der Strecke, ist auf einmal die Straße gesperrt. Arbeiter einer Straßenbaufirma unterstützen ihre Forderungen nach mehr Lohn indem sie für Stunden den Verkehr anhalten. Für die Polizei ist das jedoch kein Grund einzugreifen. Wir versuchen die Blockaden zu umfahren und landen dabei mitten in den Ölförderanlagen. 
Ogermobil auf Umwegen 
Nach einigen Kilometern Querfeldein finden wir wieder einen Weg auf die Straße. Unser treuer Begleiter – der Wind – macht sich jetzt noch mehr bemerkbar und erreicht Sturmstärke. Jetzt wird die Suche nach einem Übernachtungsplatz schwieriger, denn das wichtigste Kriterium ist nun „windgeschützt“.

Kurz bevor wir Feuerland – die Insel am Ende der Welt – erreichen, wartet noch die Grenze nach Chile auf uns, denn die RN 3 führt für rund 200 Kilometer über chilenisches Territorium. Am Grenzübergang fallen wir aus allen Wolken. Hunderte von Autos, kreuz und quer geparkt und eine lange Schlange von Reisenden vor dem Grenzhäuschen erwarten uns. 
Grenzübergang nach Chile - Von hier noch 3 Stunden
Was bleibt uns anderes übrig. Wir stellen uns ebenfalls an. Fast drei Stunden dauert es bis der Papierkram erledigt ist. Als wir endlich zur Kontrolle vorfahren können, möchte noch ein Beamter von der chilenischen Lebensmittelkontrolle mit Hund das Auto checken.Wir machen ihm klar, das der einzige Eingang ins Ogermobil über das Fahrerhaus ist, d.h. er – und vor allem der Hund – müssen klettern. Da gibt er auf, ansonsten hätte der Hund sicher unsere Wurstvorräte gefunden.


Nach weiteren 60 Kilometern ( über 3300 Kilometern von Buenos Aires ) haben wir die Fähre nach Feuerland erreicht. Hier bietet sich das gleiche Bild wie an der Grenze. Lange Stau's und mindestens so lange Wartezeiten. 
Fähre nach Feuerland - Wieder warten
Das tun wir uns nicht an. Wir suchen uns einen windgeschützten Platz und verbringen die Nacht vor der Fähre. Morgen ist auch noch ein Tag. Da fahren wir dann nach Feuerland