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Donnerstag, 16. April 2020

Wieder zu Hause


Den Wettlauf gegen die Zeit haben wir gewonnen. Wir sind in Jakarta im Hotel. Jetzt haben wir viel Zeit, denn unser Flug nach Deutschland geht erst in 6 Tagen.

Viel Abwechslung in der Stadt gibt es nicht. Manche Geschäfte sind geöffnet, andere nicht. Restaurants haben geöffnet, oder eben nicht. Zum Besichtigen gibt es nichts, denn alle Parks und Sehenswürdigkeiten sind geschlossen. Im Grundsatz ist unser Programm an jedem Tag gleich. Ausführliches Frühstück, dann schwimmen, eine Exkursion in die Stadt um ein geöffnetes Restaurant zu finden. Danach nochmals schwimmen und Abends relativ früh ins Bett.
Mittelpunkt unseres Universums - Pool des Hotel Borobudur Jakarta
Für Abwechslung sorgen zwei Brasilianer, die bereits ein paar Wochen im Hotel leben. Sie arbeiten im Auftrag einer brasilianische Rüstungsfirma für das indonesische Militär. Wobei die Arbeit sich zur Zeit darin erschöpft, das sie darauf warten nach Brasilien zurück zu reisen. Das Gute ist, dass die Firma alle Kosten trägt, so sind sie äußerst freigiebig und laden uns zweimal zum Abendlichen Umtrunk am Pool ein.

Die tägliche Routine wird am vorletzten Tag jäh durchbrochen. Wir müssen unser Zimmer mit einer Suite im Gartenflügel tauschen. Grund: Das Hauptgebäude des Hotels wird wegen Renovierungsarbeiten geschlossen. Wir residieren nun in einer 75 m² großen Zweizimmerwohnung mit Küche und Bad direkt neben dem Pool. Wieder trifft unser alter Spruch zu: Wir könnten es schlechter treffen.

Das ist auch das Motto für den Flug nach Hause. Mit etwas Verspätung werden wir am Donnerstag 09.04. zum Flughafen gefahren. Der Flughafen ist gespenstisch. Gähnende Leere wohin man blickt. Lediglich die Schalter der Quatarairways sind geöffnet. 
Check-In ohne Warteschlangen
Das gleiche Bild an der Passkontrolle. Dort wo sonst Warteschlangen den Raum füllen, sitzen jetzt nur vier einsame Beamte und warten auf die vereinzelten Reisenden. 
Flughafen Jakarta I - Viel Platz
Flughafen Jakarta II - Bis auf zwei Flüge sind alle Verbindungen gestrichen 
Die Lounge leer, lediglich 8 Gäste (inkl. uns). Das Flugzeug. Vielleicht zu einem Drittel besetzt. Wir fliegen Business Class, d.h. bei Quatarairways neuerdings Q-Suite. Wir haben die Q-Suite für Ehepaare. Ein eigenes kleines Abteil . Die großzügigen Sitze werden zum Schlafen zu einem ziemlich großem Doppelbett auf dem wir gut schlafen. So verschlafen wir 2/3 der gut neunstündigen Flugzeit nach Doha.
Q-Suite - So lässt es sich aushalten
In Doha haben wir 5 Stunden Aufenthalt bis wir nach Frankfurt weiterfliegen. Den Aufenthalt nutzen wir um herauszufinden, wie denn jetzt die Einreisebedingungen in Deutschland sind. Seit Tagen geistert die Meldung durch die Medien, dass Reiserückkehrer in Deutschland für 14 Tage in Quarantäne sollen. Gültig soll diese Regelung ab Karfreitag, unserem Ankunftstag, sein. Beim Blick in Internet stelle ich fest, dass es in Hessen tatsächlich so sein wird, da von der hessischen Landesregierung eine entsprechende Verordnung erlassen wurde. Die Landesregierung in Stuttgart hat jedoch nur die Verordnung erlassen, dass eine Verordnung erlassen wird. Also keine Quarantäne ... es lebe der Föderalismus.
Flughafen Doha - Leere Lounge
Der Rest ist schnell erzählt. Der Flug nach Frankfurt unterscheidet sich nicht von unserem Flug nach Doha. Überpünktlich landen wir in FRA. Der Flughafen ist ebenfalls gähnend leer. Die Bundespolizei und der Zoll glänzen durch Desinteresse. Keiner interessiert sich für irgendetwas. Die Passkontrolle oberflächlich, die Zollkontrolle nicht existierend. Eine Gesundheitskontrolle scheint in FRA unbekannt zu sein.

Jedenfalls sind wir in wenigen Minuten aus dem Flughafen heraus. Unsere Kinder holen uns ab und in weniger als 90 Minuten sind wir zu Hause.

Donnerstag, 9. April 2020

Indonesien 15 - Wettlauf gegen die Zeit

Die Überfahrt nach Jawa ist so entspannend verlaufen, wie nach unseren ersten Eindrücken an Bord vermutet. Gegen Mitternacht kommt die Fähre in Surabaya an. Der zweitgrößte Hafen Indonesiens liegt still und verlassen vor uns. Kein Schiff wird be- oder entladen. Das gleiche Bild bietet sich in der Stadt Surabaya. Die Straßen sind leer, alle Geschäfte geschlossen, und das Auffälligste … kein einziger, der normalerweise unzähligen kleinen Imbisswagen ist zu sehen. Uns dämmert langsam, dass unsere Heimreise sich zu einem Wettlauf gegen die Zeit entwickeln könnte. Erreichen wir Jakarta bevor das Land zum Stillstand kommt?

Von Surabaya bis nach Ciamis, wo wir das Ogermobil einstellen wollen, sind es gut 700 Kilometer, dann noch weitere 300 Kilometer bis Jakarta.

Die ersten 500 Kilometer fahren wir auf der Autobahn. In der jetztigen Situation hat die Autobahn nur Vorteile. Wenig Verkehr, gute Straße und große, ruhige Raststätten, die ideal zum Übernachten sind.
Ruhige und weiträumige Autobahnraststätte bei Semarang
Die letzten 200 Kilometer auf der Landstraße nach Ciamis werden zur Geduldsprobe. Zwar ist der Verkehr, im Gegensatz zum Februar, auch hier sehr spärlich geworden, dafür sind die Anwohner und Ordnungshüter sehr misstrauisch gegenüber Fremden. Als wir einer vermeintlichen Abkürzung folgen und in einem kleinem Dorf landen, drehen die Bewohner völlig durch. Mit ihren Mopeds blockieren sie die Straße und hindern uns an der Weiterfahrt. Der Bürgermeister und die örtliche Polizei rufen den Dorfarzt zur Untersuchung unseres Gesundheitszustandes.
Keine erhöhte Temperatur - Alles wieder gut
Nachdem dieser unsere Temperatur gemessen und uns für unbedenklich erklärt hat, löst sich die unangenehme Situation auf. Die Anwohner organisieren, Kaffee und Tee, sitzen mit uns zusammen und entschuldigen sich für die Unannehmlichkeiten. Bis wir weiterfahren können sind aber fast zwei Stunden vergangen.
Am Ende gibt es ein offizielles Schreiben - mit Stempel - vom Bürgermeister
Auch beim Einkaufen werden wir misstrauisch beäugt. Wenn wir anhalten dauert es nicht lange bis die Polizei, die sich zuvor monatelang nicht für uns interessiert hat, auftaucht und nach dem Woher und Wohin fragt. Sobald das Wohin weit weg ist, sind die Polizisten glücklich, lassen uns nicht aus den Augen bis wir weiterfahren und winken uns entspannt und erleichtert nach.

Nach vier Tagen erreichen wir endlich den Unterstellplatz für das Ogermobil in Ciamis. Die Leitung des islamischen Internats in Ciamis hat uns erlaubt das Auto auf dem Gelände abzustellen. Das Internat ist in der Zwischenzeit auch geschlossen. Die Schüler wurden nach Hause geschickt. Lediglich die Lehrer sind noch da. Wir sind froh dass wir es geschafft haben. Die Freude dauert aber nicht lange, denn auch hier taucht die Polizei auf.
Und wieder Polizei - Nach intensiver Diskussion geht es zum Labor
Bevor wir das Auto unterstellen können, wollen sich die Vertreter der Ordnungsmacht davon überzeugen, dass wir gesund sind und schleppen uns bei strömenden Regen zu einem Labor. Hier wird ein Anti-Körper-Schnelltest durchgeführt. Die arme Laborantin, ein junges Mädchen in Ganzkörperschutzanzug, ist total aufgeregt. Da sie erst einmal Ihre Testflüssigkeiten unkontrolliert verschüttet, muss sie den Test wiederholen. Voller Anspannung warten die Polizisten auf das Testergebnis. Es dauert eine halbe Stunde bis per Telefon verkündet wird, dass das Ergebnis „Negativ“ lautet. In diesem Fall ist „Negativ“ äußerst positiv. Die Anspannung löst sich schlagartig. Jeder möchte wieder Bilder mit uns machen. Alle sind freundlich und zuvorkommend.

Uns reicht es jedoch. Es ist inzwischen 20:00 Uhr, wir sind klatschnass vom Regen und wollen nur noch ins Bett, denn morgen um 9:50 Uhr fährt unser Zug nach Jakarta.

Wir stehen wieder früh auf. Das Ogermobil muss noch auf den Stellplatz und für die Standzeit eingepackt werden. Der Standplatz ist wirklich gut. Zwischen der Moschee und den Lehrerwohnungen stellen wir das Ogermobil ab. Packen mit Hilfe von Br. Sarip die Plane auf das Auto und werden gerade rechtzeitig zur Abfahrt des Zuges fertig.
Geschafft - Das Ogermobil steht gut verpackt auf seinem Standplatz
Bisher gab es 5 Züge am Tag, die nach Jakarta fuhren. Im Moment ist dieser Zug die einzige Möglichkeit in die Hauptstadt Indonesiens zu kommen.

Der Zug ist nicht gerade der schnellste ICE unter der Sonne, denn er braucht für die 300 Kilometer nach Jakarta locker 8 Stunden. Acht Wagons mit je 125 Sitzplätzen rattern also gemütlich über die ausgelutschten Schienen nach Jakarta.
Viel Zeit - An manchen Zwischenhalts können wir uns die Füße vertreten
In unserem Wagon befinden sich noch 2 Mitreisende. In den anderen sieben Wagons sieht es nicht anders aus. Insgesamt knapp 50 Reisende. Reichlich Platz um es sich auf den Bänken gemütlich zu machen. Das Internet funktioniert (im Gegensatz zu Deutschland) durchgehend und wir bekommen regelmäßig Kaffee aus dem Speisewagen gebracht.
Viel Platz - Zug nach Jakarta
Nicht nur deshalb ist die Fahrt kurzweilig, Wir fahren durch die interessante Berglandschaft West-Jawas, Über kühne Brückenkonstruktionen, durch enge Kurven am steilen Berghang, vorbei an pittoresken Reisterrassen und Bilderbuchvulkanen rumpeln wir Richtung Jakarta.
8 Stunden Fahrzeit - Zeit um die Landschaft zu genießen

Kurz nach Sonnenuntergang kommen wir in Jakarta an. Nehmen (wieder bei strömenden Regen) ein Taxi zum Hotel Borobudur und erreichen dieses gegen 19:00 Uhr. Auch hier, kein Eintritt ohne Gesundheitsprüfung. Wieder einmal wird Temperatur gemessen. Anschließend werden wir in einem Plastikzelt mit einer übelriechenden, wahrscheinlich desinfizierenden Flüssigkeit besprüht.

Unser Hotel hat knapp 1000 Zimmer. Von denen sind etwa 50 belegt. Gähnende Leere. Von sieben Restaurants sind sechs geschlossen. Tennisplätze, Gym, Squash-halle, alles zu. Lediglich der parkähnliche Garten mit dem 50 Meter Schwimmbecken ist geöffnet. Dafür gibt es Sonderpreise. Inklusive Frühstück kostet die Nacht nur 33 € (pro Zimmer). Hier können wir es bis zum Abflug nach Deutschland gut aushalten.
Ein Pool (fast) für uns alleine
Zum Abschluß des Tages gönnen wir uns, völlig entspannt, ein frisch gezapftes Bier in der Hotelbar, denn wir haben den Wettlauf gegen die Zeit gewonnen.
Blick über Jakarta aus unserem Zimmer


Dienstag, 31. März 2020

Indonesien 14 - Fähren in Indonesien 2

Die Nacht haben wir vor dem Fort Rotterdam, die Hauptsehenswürdigkeit von Makassar, verbracht. Das Fort, der Name legt es nahe, stammt aus der niederländischen Kolonialzeit und ist vollständig restauriert. 

Übernachtungsplatz vor dem Fort Rotterdam
Besichtigen können wir es nicht. Wegen Corona geschlossen. Dafür können wir auf dem Parkplatz vor dem Fort übernachten. Nicht weit vom Hafen und dem Chinesenviertel entfernt.
Hinweise zum Umgang mit Corona - Lesen können wir es nicht, aber der Inhalt ist selbsterklärend
Ersteres ist wichtig wegen der Fähre, Letzteres wegen unseres bisher ungelösten Gasflaschenproblems.

Es ist uns bisher nicht gelungen unsere Gasflasche auffüllen zu lassen. Die Füllstationen von Pertamina (dem staatlichen Tankstellen- und LPG-Monopolbetrieb) weigern sich hartnäckig unsere (deutsche) Gasflasche zu füllen. Pertamina füllt nur indonesische Flaschen. In Bali sind wir zum Yachthafen gefahren, weil wir gehört hatten, dass dort Leute vom Wachdienst ausländische Flaschen füllen würden. Das hat für uns plausibel geklungen, da wir uns vorstellen können, das Yachten ja auch Gasflaschen unterschiedlicher Herkunft an Bord haben könnten. Der Mann beim Wachdienst wollte die Flasche dann auch füllen. Es sollte jedoch drei Tage dauern und 100 USD für 11 KG Gas kosten. Das haben wir dankend abgelehnt, da er das achtfache des üblichen Preises verlangt hat.

Gestern haben wir im Chinesenviertel durch Zufall einen Laden mit allerlei Zubehör für Gasflaschen entdeckt. Dem Inhaber habe ich unsere Flasche gezeigt, sowie unser Problem erklärt. Er ist in den – für uns unendlichen Tiefen seines Lagers – entschwunden und nach kurzer Zeit mit ein paar Fittingen wieder aufgetaucht. Er will versuchen unsere Flasche mit einer selbst gebastelten Armatur aus seinen Fittingen zu füllen. Wir haben also die Flasche über Nacht bei ihm gelassen und fahren nun wieder zu seinem Laden um zu sehen ob er erfolgreich war. Und es ist tatsächlich ein Wunder geschehen. Unsere Gasflasche ist gefüllt. Kostenpunkt : 300.000 IDR (etwa 17 €) und einige Fotos.

Beschwingt vom Glücksgefühl ein lang schwelendes Problem endlich vom Tisch zu haben fahren wir zum Hafen. Als wir dort ankommen und das Fährschiff sehen, reiben wir uns verwundert die Augen. Es sieht aus wie eine richtige Fähre (nach europäischen Masstäben). Beim Kauf des Tickets habe ich die teuerste Kabinenkategorie (VIP) gewählt, da wir nach den Erfahrungen auf unseren bisherigen Fährpassagen, nicht in einem mäßig bis gar nicht klimatisierten Schlafsaal mit schwitzenden LKW-Fahren, lärmenden Kindern und gackernden Hühnern 32 Stunden Stunden Seite an Seite liegend verbringen wollen. 
Ein richtiges Fährschiff - Brandneu Baujahr 2019
Die VIP Kabine soll immerhin eine 2-Bett Kabine mit Fenster sein. Unsere Erwartungen sind gering, zumal der Aufpreis zum oben beschriebenen Schlafsaal nur 6 €/Person beträgt.

Wir kommen aus dem Staunen nicht heraus. Das Autodeck ist sauber, weit und breit weder Hühner, noch Ziegen in Sicht. Keinerlei Kisten oder sonstige Fracht die an den Wänden gestapelt ist. Die Autos werden sogar mit Ketten gesichert. Mit einem Aufzug fahren wir die drei Decks nach oben zur Rezeption !!!

An der Rezeption bekommen wir den Kabinenschlüssel. Ein Steward hilft uns das Gepäck zur Kabine zu tragen und schließt die Tür auf …. und fallen fast um vor Überraschung. Die Kabine ist extrem groß. Zwei breite Betten, Fernseher, Kühlschrank, Couch, ein privates Badezimmer mit Sitztoilette (inkl. beheiztem WC-Sitz) und Badewanne !!!
VIP Kabine - Lauschiges Appartement
Wir sollten doch bitte sagen ob wir die im Fahrpreis enthaltenen Mahlzeiten im Restaurant oder lieber in der Kabine einnehmen würden. Alles ist möglich.

Bevor der Steward geht, hält er nicht die Hand auf, sondern fragt uns ob wir jetzt noch schnell einen Kaffee oder Tee möchten. Den würde er dann gleich bringen.

Schwups ist er zur Tür raus und wir gewinnen langsam die Fassung wieder, Fünf Minuten später ist der Steward mit dem Kaffee da, wir setzen uns erstmal hin und essen ein paar Kekse zum heißen Kaffee. So können wir der 32 stündigen Überfahrt nun ausgesprochen entspannt entgegen sehen.
Gaby - Sichtbar entspannt

Corona - Erneute Umplanung


Die Situation in Indonesien ändert sich zunehmend schneller. Die Fähre nach Borneo, die wir nehmen wollten, fällt aus. Die Nächste soll in vier Tagen fahren.

Bevor wir uns auf die Warterei einlassen, rufen wir einen Tourveranstalter auf Borneo an um uns über die Zugänglichkeit des Nationalparks mit den Orang Utangs zu erkundigen. Der Kollege ist hörbar geknickt. Ja, der Park ist noch offen. Betonung auf „noch“. Es wird jeden Tag schlechter. Das größte Einkaufszentrum des Ortes ist bereits geschlossen. Die Stimmung gereizt. Das ist nicht die Auskunft, die wir uns gewünscht haben. Nach kurzer Beratung sind wir uns einig, dass wir nicht nach Borneo fahren, sondern direkt nach Jawa. Die nächste Fähre nach Jawa verläßt Makassar planmäßig Morgen mittag. Das schaffen wir. Es sind ja nur noch 330 Kilometer bis dorthin und wir haben noch 1 ½ Tage Zeit nach Makassar zu kommen.

Tatsächlich sind wir am späteren Nachmittag im Hafenbüro der Fährgesellschaft angekommen und kaufen uns das Ticket nach Jawa. Hier wird der Fahrplan noch eingehalten. Abfahrt Morgen um 13:00 Uhr.

Im Büro bekommen wir mit, das die Regierung in Indonesien ihren Kurs im Umgang mit Corona geändert hat. Bisher hatte die Zentralregierung jegliche Einschränkungen der Bewegungsfreiheit strikt abgelehnt. Ab sofort jedoch dürfen die Provinzen in Eigenregie über derartige Maßnahmen entscheiden. Das deckt sich mit unseren Eindrücken von der Fahrt nach Makassar. Zweimal wurden wir von der Polizei an Checkpoints gestoppt. Einmal wurde das Ogermobil mit irgendeinem Desinfektionsmittel eingesprüht. Das zweite Mal mussten wir – wie alle anderen auch - in einem durchsichtigen Zelt unter eine Desinfektionsdusche. Zudem war der Verkehr merklich geringer und viele Geschäfte geschlossen. Das zeigt uns, das die Nervosität steigt. Wir glauben, dass es nur noch eine Frage von 1-2 Wochen ist, bis auch in Indonesien weitere, drastische Beschränkungen in Kraft treten.

Noch am Abend wollen wir den Rückflug nach Deutschland buchen. Die Auswahl an Fluggesellschaften ist jedoch nicht mehr sehr groß. Genaugenommen gibt es gar keine Auswahl mehr, da nur noch Quatarairways von Jakarta nach Frankfurt fliegt. Den Gesetzen der Marktwirtschaft gehorchend, hat Quatarairways die Preise der neuen Situation angepasst. Der Flug nach Frankfurt kostet jetzt etwa dreimal soviel wie zuvor. Ausnahme ist der Gründonnerstag. An diesem Tag kostet ein Flug in der Businessclass weniger als ein Economy-Ticket an den anderen Tagen. Für uns ist damit ziemlich schnell klar, welchen Flug wir buchen. Wir werden somit am Karfreitag wieder in Deutschland ankommen.

Mittwoch, 25. März 2020

Corona - Die Auswirkungen auf diese Etappe


Zurück von der Insel sind wir überrascht wie sich die Welt in 6 Tagen verändern kann. Nichts ist so wie zuvor. Die Grenzen der Länder, die wir nach Indonesien bereisen wollten sind ausnahmslos geschlossen. Wir glauben nicht daran, das sich die Situation in kurzer Zeit zum Besseren ändern wird. Was können wir also tun?

Nach zwei Nächten darüber schlafen, haben wir uns entschieden den Reiseplan zu ändern. Zunächst wollen wir zumindest bis nach Ostern in Indonesien bleiben, da die Situation im Land weiterhin fast normal ist. Wir haben auch einen Platz gefunden, wo wir das Ogermobil sicher für ein paar Wochen oder Monate unterstellen können. Allerdings liegen noch rund 1.800 Kilometer und 2 Fährpassagen zwischen uns und diesem Platz.

Sobald wir das Ogermobil untergestellt haben, werden wir diese Etappe unterbrechen, nach Deutschland zurückkehren und abwarten das sich die Situation weltweit beruhigt. Sollte das bis zum Herbst der Fall sein, würden wir umgehend nach Indonesien fliegen und die Etappe fortsetzen.

Morgen fahren wir – wie bereits vorher geplant - nach Pare-Pare. Die Stadt ist der Hafen für die Fähre nach Borneo. Wenn die Fähre planmäßig fährt haben wir die erste große Hürde auf dem weg zum Unterstellplatz genommen.

Indonesien 13 - Taucherparadies Una Una


Una Una, die Vulkaninsel im Golf von Tomin, nur 12 km vom Äquator entfernt, ist ein wahres Taucherparadies. Dies liegt vor allem daran, dass die Insel schwer zu erreichen ist und damit die Anzahl der Taucher äußerst limitiert ist. 
Pristine Paradise - Ein Bild wie aus dem Katalog
Zur Zeit leben auf der Insel etwa 500 Menschen und es existieren zwei kleine Tauchresorts. Wir haben uns für das Pristine Paradise Tauchresort entschieden. Es wird von Emiel, einem Holländer geführt. Es gibt 20 Betten in Bungalows oder im Schlafsaal, ein Restaurant und die Tauchbasis. Nicht viel, aber zum ungestörtem Tauchen ideal.
Pristine Paradise - der Haupteingang
In Ampana nehmen wir das öffentliche Schnellboot nach Wakai, dem Hauptort der Togian Islands.
Das Boot benötigt knapp 2 Stunden für die 70 Kilometer von Ampana nach Wakai. 
Mit 50 Km/h geht's auf die Insel
Im Hafen von Wakai wartet bereits das Charterboot mit dem wir die restlichen 40 Kilometer nach Una-Una zurück legen werden. Weitere 2 ½ Stunden auf einem kleinen Kahn. Außer uns sind noch zwei weitere Gäste im Resort. Alles sehr übersichtlich und entspannt. Die Tauchbasis ist gut ausgestattet. Dies gilt sowohl für die Ausrüstung als auch für die Tauchlehrer. Zwei Tauchlehrer für 4 Gäste. Ein ideales Verhältnis. Beim Abendbrot werden die Tauchgänge für den nächsten Tag besprochen. Die Auswahl an Tauchspots ist riesig. 35 verschiedene Stellen. Alle innerhalb weniger Minuten mit dem Boot erreichbar. Außer den Gästen des Pristine Paradise sind keine weiteren Taucher vor Ort. Geradezu unheimlich gute Bedingungen.
Pristine Paradise - Gemeinschafts- und Restaurantbereich

Die Tage auf der Insel verlaufen immer nach dem gleichen Muster und vergehen wie im Flug. Aufstehen, Frühstück um 7:00 Uhr. Gegen 10:00 Uhr ein Tauchgang, Um 12:00 Uhr gemeinsames Mittagessen. Gegen 13:30 Uhr der zweite Tauchgang des Tages, danach Kaffee und Kekse zur Stärkung. Etwa 19:00 Uhr gemeinsames Abendessen, danach Besprechung der Tauchgänge des nächsten Tages und ein Sunset Bier. Ab 17:00 Uhr funktioniert der Strom. Zeit um die Kameras und den Laptop zu laden. Internet gibt es keines. Himmlisch.
Gaby - abgetaucht
Sting Ray 
Green Humphead Parrotfish - 1,5 Meter lang 75 KG schwer
 
Jetzt konzentrieren wir uns auf die phantastische Unterwasserwelt von Una-Una. Unbeschädigte Korallenriffe, riesige Schwärme tropischer Fische, glasklares, warmes Wasser und damit eine gigantische Unterwassersicht. Unser Fazit ist klar. Una Una ist wirklich eines der letzten Taucherparadiese.


Rifflandschaft I
Rifflandschaft II


Rifflandschaft III

Gerüchte weise hören wir, das die Welt wegen Corona jetzt völlig durchdreht. So lange wir auf der Insel sind, ist uns das egal. Sobald wir wieder auf dem Festland sind, werden wir uns damit befassen und unsere weitere Reiseplanung den Gegebenheiten anpassen.

Indonesien 12 - Sulawesi


Die Überfahrt nach Sulawesi ist entspannt. Das Schiff ist zwar wieder voll, aber wir nutzen die bewährte Taktik. Tagsüber nutzen wir unsere Campingstühle und sitzen auf dem Sonnendeck (natürlich im Schatten). 
Bewährte Taktik - Campingstühle auf dem Sonnendeck
Die Nacht können wir im Ogermobil schlafen. In Bira angekommen, ist es ein bisschen schwierig einen guten Platz für die Nacht zu finden. Schließlich werden wir bei den Schiffswerften von Bira fündig.
Schiffswerft traditionell - Unser Übernachtungsplatz in Bira
Seit einigen Tagen haben wir ein Geräusch im vorderen Antriebsstrang. Es stellt sich heraus, das das Kreuzgelenk der vorderen rechten Antriebswelle stark ausgeschlagen ist. Zudem hat der Bremssattel geklemmt. Folge, die neuen Beläge sind bereits sehr abgenutzt. 
Ausgeschlagenes Kreuzgelenk  - Der silberne Streifen in der Mitte ist das Problem
Wir bestellen schnell die entsprechenden Ersatzteile bei Erich Christ. Da unsere Tochter Serena sowieso in ein paar Wochen zu uns kommt, kann sie die Teile auch gleich mitbringen. Ein sehr praktisches Arrangement. Bis Ampana, wo wir zum Tauchen nach Una-Una mit dem Schiff fahren wollen, wird das Auto schon noch halten.

Von Bira fahren wir in das Hochland Tana Toraja. Die christlichen Einwohner haben einen sehr eigenen Totenkult entwickelt. und auch einen sehr speziellen Stil für Ihre Häuser.
Tana Toraja - Typische Häuser
Tana Toraja - Reisterrassen
Ihre Toten werden in Grabhöhlen und Felsengräbern beigesetzt. Teilweise werden die Särge an Felswänden aufgehängt. Lebensgroße, aus Holz geschnitzte Figuren (Tao-Tao) werden mit den Kleidern der Toten eingekleidet und in Balkonen neben den Särgen aufgestellt. Im Hochland gibt es mehrere , öffentlich zugängliche, Grabanlagen von denen wir zwei besichtigen.

Die Grabhöhle von Tampangallo befindet sich am Rande eines Reisfeldes im Überhang einer Felswand.
Tampangallo I - verrottete Särge
Tampangallo II - Sortierte Schädel mit Nahrung (Zigaretten) für das jenseits
Die Gräber in Lemo sind in zwei getrennten, aber nahe beieinander liegenden Felswänden angeordnet.
Felsengräber von Lemo I - Die Gräber sind die kleinen Quadrate in der Felswand
Felsengräber von Lemo II - Die Tao Tao auf dem Balkon
Tana Toraja ist ungefähr der halbe Weg nach Ampana. Für die restlichen 500 Kilometer haben wir noch eine Woche Zeit. Die wollen wir zum Ausruhen nutzen. Die erste Gelegenheit für einen Aufenthalt bietet sich am Danau Poso. Am Südufer des Sees finden wir einen kleinen Strand zum übernachten. Das Wasser des Sees ist glasklar und angenehm warm.
Danau Poso - Campen am Seeufer
Die Straße nach Norden ist, wie in Indonesien üblich, sehr unterschiedlich. Sie wechselt von der Qualität eines Feldweges zu gutem Bundestraßen-Standard innerhalb weniger Kilometer. Trotzdem kommen wir gut voran. Rund 60 Kilometer vor Ampana gibt es erstmals eine Gelegenheit direkt am Strand des Golfes von Tomin zu übernachten. Der winzige Strand ist ein perfekter Platz. Wenig Wellen, kein Müll, super sauberes Wasser und – nur 20 Meter vom Auto entfernt – ein intaktes Korallenriff. Wir wissen gar nicht was wir zuerst machen sollen. Schnorcheln oder schwimmen? Beides macht an diesem Strand richtig Spaß. Wir bleiben drei Nächte. Somit ist genug Zeit zu schnorcheln und zu schwimmen.
Unser kleiner Privatstrand am Golf von Tomin
Am Abend des zweiten Tages werden wir erstmals mit den Auswirkungen der – anscheinend weltweiten – Corona Panik konfrontiert. Eine Gruppe von Bewohnern des nächsten Dorfes, immerhin 1 Kilometer entfernt – kommt vorbei und beobachtet misstrauisch was wir hier machen. Der Einzige, der Dorfbewohner der leidlich Englisch spricht, erklärt uns das die Leute Angst vor uns haben – wegen Corona. Nachdem wir ihm erklärt haben, das wir bereits zwei Monate in Indonesien sind, sind die Dorfbewohner sichtbar erleichtert und sind wieder – wie gewohnt – freundlich.
Sonnenuntergang am Privatstrand
Zwei Tage später fahren wir die restlichen 90 Minuten bis Ampana. Am Hafen haben wir – nach vielen Tagen – wieder Internet und werden das zweite Mal mit der Corona Panik konfrontiert, denn Serena sagt ihre Reise nach Indonesien kurzfristig ab. Damit wird es auch nichts mit der Lieferung der Ersatzteile.
Wir sind überrascht und auch enttäuscht. Trotzdem lassen wir uns die Vorfreude auf unseren Tauchtrip nach Una-Una nicht nehmen und fahren am nächsten Tag mit dem Speedboot auf die Insel.


Dienstag, 10. März 2020

Indonesien 11 - Flores und der Komodo N.P.


Der Hafen von Labuan Bajo ist DER Verkehrsknotenpunkt auf Flores. Hier legen die Fähren nach Sumbawa sowie Sulawesi an und hier starten die Touren in den Komodo Nationalpark.

Unsere nächste Fähre, die nach Sulawesi, fährt nur einmal wöchentlich. Das nächste Mal in sechs Tagen. Wir haben also reichlich Zeit. Deshalb suchen wir uns zunächst ein Basislager. Vor dem Ciao Hostel, hoch über dem Ort gelegen werden wir fündig. Wir können auf dem Parkplatz übernachten und die Einrichtungen des Hostels nutzen.
Blick vom Basislager auf  Labuan Bajo
Wenn wir schon so lange in Labuan Bajo sind, wollen wir die Gelegenheit nutzen um unser Visa zu verlängern. Die Verlängerung des VISIT VISA bei der Immigration ist äußerst bürokratisch. Zunächst benötigen wir einen Sponsor, d.h. einen Einheimischen der einen Verlängerungsantrag unterschreibt, dann einen Stapel Kopien und Stempelmarken. Die Sache mit dem Sponsor kann kompliziert sein. Wir haben Glück das Paulina, eine Angestellte des Ciao Hostels sich bereit erklärt unser Sponsor zu sein. Die ausgefüllten Unterlagen, Kopien und die Pässe geben wir bei der Immigration ab. In zwei Tagen sollen wir morgens, zur Abgabe von Fingerabdrücken und Erstellen eines Fotos, wiederkommen. Am Nachmittag des gleichen Tages sollen wir dann unseren Pass wieder abholen können. Und billig ist die Sache auch nicht, sie kostet pro Person 35€. Der ganze Aufwand führt dann zu einer Verlängerung des Visa um 30 Tage.

Die Zeit bis zur Abholung unserer Pässe nutzen wir für einen Tagesausflug in den Komodo Nationalpark. Hier leben auf zwei Inseln (Komodo und Rinca) etwa 2.500 Komodo Warane, von den Einheimischen als Dragons (Drachen) bezeichnet. Wir mieten uns ein Boot und lassen uns nach Rinca fahren. 
Viele Boote zur Auswahl - wir nehmen das kleine Blaue
Mittagspause auf dem Boot
Auf dem Weg dorthin legen wir zwei Schnorchelpausen - an zwei sehr schönen Riffen - ein. Im Park angekommen werden wir von Guides erwartet, die uns erstmal zur Kasse führen. Fast 25 € Eintritt pro Person und Tag ist schon ziemlich happig.
Rinca - Auf der Suche nach den "Drachen"
Auf einem 1 ½ stündigen Spaziergang über die Insel sehen wir 15 Warane, die überwiegend ziemlich träge sind (bei der Hitze auch kein Wunder). Etwas munterer ist ein Weibchen, das ihr Nest mit den etwa 40 Eiern aggressiv gegen einen anderen Drachen verteidigt. 

Verteidigung I - Rachen aufreißen ...
Verteidigung II - Erfolgskontrolle
Je nach Brutbedingungen werden aus ca. ¾ der Eier auch Jungtiere schlüpfen, die sofort auf die umliegenden Bäume klettern und dort für ein Jahr bleiben, denn der größte Feind der Jungtiere sind die eigenen Eltern. Wer nicht bei drei auf den Bäumen ist, wird von ihnen gefressen. Mutterliebe kenne ich da anders …

Futtersuche
Nach dem eindrucksvollen Rundgang auf Rinca machen wir uns mit unserem Boot auf den Rückweg nach Labuan Bajo. Zum Sonnenuntergang, auf halber Strecke, erreichen wir Kalong Island. Auf dieser kleinen Insel lebt eine Kolonie Flughunde. Pünktlich zum Sonnenuntergang brechen diese Säugetiere zur Futtersuche auf dem Festland auf. Über einen Zeitraum von etwa 20 Minuten fliegen Tausende von ihnen über uns hinweg.
Kalong Island - Aufbruch der Flughunde
Unsere Pässe haben wir planmäßig, mit dem verlängertem Visa abgeholt. Über das Wochenende fahren wir auf Paulinas Empfehlung in ihr Heimatdorf Ngguang. Es liegt an einem 500 Meter tiefen Kratersee, an dessem Ufer warme Quellen entspringen. Luftlinie liegen 25 Kilometer zwischen Ngguang und Labuan Bajo. Auf der Strasse sind es 55 Kilometer wovon die letzten 20 Kilometer eine enge, steile und teilweise sehr ausgewaschene Piste sind. Aber es lohnt sich. 
Unser Platz am See in Ngguang

Der Platz am See ist traumhaft. Das Wasser des Sees ist glasklar, etwas schwefelhaltig und angenehm warm. Die warmen Quellen sind direkt um die Ecke und das Wetter spielt auch noch mit.
Ngguang - Hier lässt es sich aushalten
Ngguang - der Ort ist klein, dafür ist die Kirche ziemlich groß
Kurz vor Abfahrt der Fähre nach Sulawesi sind wir wieder in Labuan Bajo, kaufen für die 24 -stündige Überfahrt ein und hoffen, dass das Schiff nicht so voll geladen wird wie die letzte Fähre.

Sonntag, 8. März 2020

Indonesien 10 - Fähren in Indonesien

Bisher brauchten wir uns über die Fährverbindungen zwischen den Inseln wenig Gedanken machen. Kurze Hüpfer von Insel zu Insel. Die Fähren fahren rund um die Uhr. Alles kein Problem.


Aber, je weiter wir nach Osten kommen, desto geringer wird der Verkehr und damit auch die Frequenz der Fährverbindungen. Das Schiff von Sumbawa nach Flores soll einmal täglich fahren. Auf Anraten der unseres Kontaktes in der Hauptverwaltung der staatlichen Fährgesellschaft ASDP sind wir einen Tag vor unserer geplanten Überfahrt im Abfahrtshafen und wollen die Überfahrt buchen, da Reservierungen für Fahrzeuge nur im Fährhafen vorgenommen werden können. Die erste Überraschung. Der Fahrplan hat sich geändert. Statt täglich, gibt es seit Kurzem nur noch eine Verbindung alle zwei Tage. Das nächste Schiff fährt Morgen. Past uns super. Das Ogermobil wird auf die Reservierungsliste gesetzt. Vor uns sind 10 Klein-LKW, 1 großer LKW und 15 PKW. Die Angestellten versichern uns, dass alle Fahrzeuge auf die Fähre passen. Wir sollen am nächsten Tag um 8:00 Uhr die Fahrkarten kaufen. Abfahrt um 9:00 Uhr.

Gesagt getan. Wir sind kurz vor 8:00 Uhr im Hafen, bekommen die Fahrkarte und warten.
Eine halbe Stunde später kommt ein Angestellter. Mit betrübter Mine erklärt er uns, das der Plan geändert wurde, da noch 2 große LKWs und 3 PKWs mitgenommen werden sollen. Dafür könnten dann 4 Klein LKWs leider nicht mitgenommen werden.

So nicht, denke ich. Wir machen den Angestellten klar, das wir mit der Zentrale von ADSP in Jakarta im Kontakt stehen. Das, und die Proteste der anderen Fahrer wirken. Es dauert eine ¼ Stunde dann kommt der Angestellte wieder. Freudestrahlend verkündet er, das nochmal mit dem Kapitän der Fähre gesprochen wurde. Alle Fahrzeuge können jetzt mit.

Zu diesem Zeitpunkt war die Fähre etwa zur Hälfte geladen. Die nächste ¾ Stunde wird damit verbracht die bereits geladenen Fahrzeuge neu zu positionieren. Dann dürfen wir an Bord.

Jetzt sehen wir was es bedeutet wenn ein Schiff wirklich voll geladen wird. Die Fahrzeuge stehen so eng, dass immer nur ein Fahrzeug auf seinen Platz fahren kann, dann steigt der Fahrer aus. erst danach kommt das nächste Fahrzeug daneben. Abstand ungefähr 5 cm. Das letzte Fahrzeug in einer Reihe hat dann einen Abstand von 30-40 cm zur Wand, damit der Fahrer aussteigen kann.

Wir sind das letzte Fahrzeug der Reihe. Ich schlängele mich, elegant wie eine Gazelle, in den schmalen Zwischenraum zwischen Ogermobil und Wand. So weit so gut. Leider gibt es keinen direkten Weg um das Fahrzeugdeck zu verlassen. Ich muss über Kisten und Säcke mit Obst und Gemüse steigen, mich auf eine Plattform in 2 Meter Höhe hinauf hangeln um dann über einen Berg Gurken wieder auf den Boden zu kommen. Geschafft.
Bequemer geht's kaum - Der Weg zum Ogermobil
50 Minuten später ist das Schiff voll geladen. Wirklich jeder Quadratzentimeter Platz ist mit Fahrzeugen, Mopeds, Kisten, Säcken und Hühnern belegt.
Bequem ist das nicht - 8 Stunden auf den Kisten
Die Fahrer der LKW klettern auf das Dach Ihrer LKWs und verbringen die 8 Stunden Überfahrt liegend auf demselben. Ein Fahrer taxiert das Dach des Ogermobils. Ich mache ihm klar, dass er darauf nichts zu suchen hat.
Wenigstens ist die Luft gut - LKW Fahrer während der Überfahrt
Der große Saal des Schiffes ist voll belegt. Passagiere sitzen und liegen wo sie einen Platz finden. Es wird geraucht und gegessen. Der Fernseher läuft auf voller Lautstärke. Die Klimaanlage versucht so lautstark wie vergeblich frische Luft in den Saal zu pumpen.
Voll belegt - Der große Saal
Wir haben unsere Stühle, sowie Essen und Getränke mit an Deck genommen und suchen uns im Schatten ein Plätzchen für die nächsten Stunden. Mit viel Sonnencreme lässt es sich aushalten.
Unser Platz an Deck
Nach 8 Stunden Fahrzeit erreichen wir Flores. Das Entladen funktioniert in der umgekehrten Reihenfolge wie das beladen. Wieder klettere ich über das Gemüse um ins Ogermobil zu gelangen. Fahre erst einmal auf festen Boden um dann Gaby und unser Equipment zu holen. Wir sind glücklich auf Flores angekommen und wissen jetzt wie voll man Fähren wirklich laden kann.

Montag, 2. März 2020

Indonesien 9 - Büffelrennen auf Sumbawa


Neue Insel, anderes Land. Das könnte man denken wenn man auf Sumbawa ankommt. Die Insel ist vom Tourismus vergessen worden. Das merkt man unter anderem in den Geschäften. Das ohnehin kärgliche Angebot der „Supermärkte“ ist auf Sumbawa noch spärlicher. Englisch spricht hier niemand, aber die Leute lachen und winken wenn sie uns sehen.

Für uns ist Sumbawa nur eine Verbindungsetappe auf dem Weg zum Komodo Nationalpark auf Flores. Fast 400 Kilometer sind es vom West- zum Ostende Sumbawas. Zu unserer Überraschung finden wir hier eine breite, gut ausgebaute und wenig befahrene Straße vor. Wir rollen mit 80 km/h über den glatten Asphalt. Ein Genuss nach dem sehr anstrengendem Fahren auf den bisherigen Inseln.

Wir rollen so durch die Landschaft als wir plötzlich mehreren Pick-Ups mit Wasserbüffeln auf der Ladefläche begegnen. Die Wasserbüffel tragen Kopfschmuck und die Spitzen der Hörner sind mit einer Art von Strickmütze bedeckt. Das die Wasserbüffel nicht auf dem Weg zum Schlachthof sind ist offensichtlich. Wir sind neugierig und fahren einem Pick-Up hinterher. Es dauert nicht lange bis wir erkennen wo die Reise hingeht. Das Ziel ist ein abgeerntetes Reisfeld. Am Straßenrand stehen auf mehreren Hundert Metern Länge Pick-Up's und LKW's. Wir sind am Schauplatz eines Büffelrennens angekommen.

In einer langen Prozession werden die festlich geschmückten Tiere von ihren Besitzern und Jockeys über die Rennbahn geführt. 
Prozession der Rennbüffel
Wir lassen uns am Rande des Reisfelds nieder und warten ab was passiert. Unsere Nachbarn am Reisfeld erklären uns, mit Händen und Füßen, die Regeln. Es geht darum, dass ein Jockey sein Rennbüffelgespann möglichst schnell über die Rennbahn lenken muss. Am Ende gibt es eine Stange, die das Gespann mittig passieren soll. Klingt einfach, ist es aber nicht, wie wir später sehen werden.
Gespannte Erwartung 1 - Die Rennbahn voll im Blick

Gespannte Erwartung 2 - Wann geht es los ?

Gespannte Erwartung 3 - Die Gespanne im Startraum


Die Büffel zu lenken erfordert den ganzen Einsatz des Jockeys. Trotzdem laufen sie oft in ganz andere Richtungen als vom Jockey beabsichtigt. Mehrmals müssen wir aufspringen als ein außer Kontrolle geratenes Gespann die Rennbahn seitlich verlassen will. Das Ganze ist zudem eine ziemlich schlammige Angelegenheit. Die Jockeys und die Büffel sind komplett mit Schlamm bedeckt und auch die Zuschauer werden ab und zu von den wild galoppierenden Tieren mit Schlamm bespritzt.
Gelenkt wird mit vollem Körpereinsatz

Wenn die Gerte nicht reicht ....

... dann wird der Büffel eben weggedrückt

Nach drei Stunden Schlammschlacht in der prallen Mittagssonne fahren wir weiter, denn bis zum Abfahrtshafen der Fähre nach Flores sind es noch gut 100 Kilometer.