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Montag, 7. März 2022

Irak 2 – Chibayish Marshland

Der landschaftliche Höhepunkt im sonst flachen, konturlosen Südirak ist das Marshland bei Chibayish. Die riesige Fläche wird vom Wasser des Euphrats überschwemmt und ist überwiegend mit Schilf bewachsen.

1991, nach dem Aufstand gegen Saddam ließ dieser das Gelände trocken legen und hat die Bevölkerung umgesiedelt. 2003, nach dem Ende der Herrschaft Saddams wurde das Gelände wieder geflutet, der Natur überlassen und ein Teil der ehemaligen Bewohner ist zurückgekehrt.

Wir haben mit Abu Haidar, einer örtlichen Berühmtheit, und Achmed, der sich um ausländische Touristen kümmert, einen Ausflug in das Marshland zum Sonnenuntergang verabredet.

Vorher repariere ich die Markise, die wir uns am Grenzübergang beschädigt hatten. Die Soldaten, die den Parkplatz – auf dem wir stehen – bewachen, helfen voller Begeisterung mit.

Es ist vollbracht - Die Markise funktioniert wieder

Mit Abu Haidars Boot fahren wir zwischen dem Schilffeldern zu einem Dorf der dort lebenden Araber.

Unterwegs im Marshland


Die Bewohner suchen sich Plätze auf den erhöhten Flächen. Dort schlagen sie ihre temporären Behausungen auf. Eine Familie lädt uns in ihr Haus ein. Wir bekommen vom Vater und seinen 9 Kindern die Unterkunft gezeigt. Der ganze Stolz ist die kleine LED-Lampe, die aus einer Autobatterie gespeist wird, die wiederum von einem kleinen Generator geladen wird.

Behausung der Marshland Bewohner

Gaby mit Abu Haidar und Achmed im Wohnzimmer

Abschied von der Familie

Die gesamte Familie lebt vom Verkauf der Büffelmilch. Die Büffel werden morgens gemolken und bewegen sich dann frei durch das Marshland, bevor sie am Abend selbstständig in den Stall zurück kehren.

Büffelherde vor dem Stall

Das einzige Verkehrsmittel im Marshland sind die Motorboote. Mit ihnen werden die Milch nach Chibayish, die Einkäufe nach Hause gebracht und auch gefischt.

Marshlandbewohner beim Fischen

Auf dem Rückweg zum Ogermobil fahren wir in den – sehr malerischen – Sonnenuntergang. An den Überresten der ehemaligen, von Saddam gebauten, Militärstraße legen wir noch einen Fotostopp ein.



Überreste der Militärstraße

Unsere Tour neigt sich dem Ende zu ... 

Kurz nach Einbruch der Dunkelheit sind wir wieder beim Ogermobil. Morgen wollen wir weiter nach Norden, zu den alten Stätten von Ur und Uruk.



Samstag, 5. März 2022

Irak 1 – Ankunft im unbekannten Reiseland

Der Grenzübertritt vom Iran in den Irak hat lockere 6 Stunden gedauert. (Eine ausführliche Beschreibung findet Ihr auf unserer Homepage). Von mittags um 11:30 Uhr bis kurz vor dem Sonnenuntergang.

Eine etwas missliche Situation, denn wir fahren ungerne im Dunkeln, schon gar nicht in einem – für uns – neuen Land und erst recht nicht im „unbekannten“ Irak.

Glücklicherweise ist direkt hinter der Grenze ein LKW-Übernachtungsplatz. Nachdem man uns zunächst partout nicht auf den Platz fahren lassen wollte, ändert sich die Situation schlagartig als ein junger Iraker, der etwas englisch spricht – versteht wer wir sind und was wir wollen, nämlich Touristen, die einen Platz zum Schlafen suchen.

Grenze bei Salamanche - LKW Übernachtungsplatz

Dann taucht der Manager des Platzes auf und uns werden – wortwörtlich – alle Türen geöffnet. Natürlich können wir übernachten, Toilette kein Problem, ob wir denn kein Internet wollen?, das Büro des Managers können wir gerne zum Ausruhen nutzen und im Restaurant sowie im Supermarkt sollen wir kostenlos essen und einkaufen.

Salamanche - Unser erster Abend im Irak 1

Salamanche - Privater Wachposten

Am nächsten Morgen fahren wir nach Basra. Sim-Karte kaufen und Geld wechseln. Alles klappt wie’s Brezel backen, d.h. der Geldautomat spuckt anstandslos Bargeld aus und eine funktionierende Sim-Karte wird uns problemlos verkauft.

Strasse in Basra

Basra - Spielzeugverkauf am Strassenrand

Auf der weiteren Fahrt machen wir Bekanntschaft mit den allgegenwärtigen Checkpoints auf den Landstraßen. Vor jeder größeren Ortschaft, Kreuzung oder Provinzgrenze befindet sich ein Checkpoint, das bedeutet: So alle 10-20 Kilometer dürfen wir anhalten.

Das Prozedur ist jedes mal ähnlich, aber unterschiedlich zeitraubend (zwischen 10 und 30 Minuten)

Wir werden zur Seite gebeten, mit den Pässen und der – an der Grenze ausgestellten – Transportbewilligung muß ich zum Chef des Checkpoints. Dort wird dann Tee, Wasser und – manchmal – Essen angeboten, hektisch telefoniert, die Papiere kopiert oder fotografiert und schlussendlich dürfen wir mit den besten Wünschen und nach ein paar Selfies mit den Soldaten oder Polizisten weiterfahren.


Checkpoint

Alles läuft betont freundlich und respektvoll ab. Trotzdem sind wir froh, als wir am Nachmittag unser Ziel, das „Monument der Märtyrer“ im Sumpfland bei Cibayish erreichen und auf dem dortigen, bewachten Parkplatz übernachten können.

Monument der Märtyrer bei Cibayish


Iran - Drei Jahreszeiten in drei Tagen

Wir sind das zweite Mal im Iran. Auf den ersten Blick hat sich nichts verändert. Die Iraner sind freundlich, der Verkehr chaotisch ( auf unserer Hitliste des schrecklichsten Verkehrs: Rang 3 hinter Indien und Indonesien) und Übernachtungsplätze sind leicht zu finden.

Tabriz - Das übliche Chaos auf den Strassen

Einige Probleme macht uns zunächst die Landeswährung, der Iranische Rial (IRR). Der gewöhnlich zuverlässige Währungsrechner des Bankenverbandes gibt den Kurs mit 48.000 IRR/€ an. Beim Versuch Geld in einem Süßwarengeschäft zu tauschen werden uns 26.000 Tuman/USD geboten. Die naheliegende Frage wer oder was sind Tuman?. Die Aufklärung: 1 Tuman sind 10 IRR, d.h. der Kurs beträgt somit 260.000 IRR/USD oder etwa 300.000 IRR/€.

Wir sind mutig und tauschen 40 USD. Dafür bekommen wir einen 3 cm hohen Stapel Banknoten insgesamt 10.400.000 IRR. Vor lauter Nullen beginnt uns der Kopf zu schwirren.

Frisch mit Bargeld in der ansehnlichen Höhe von 3cm ausgestattet, fahren wir zur nächsten Tankstelle an der LKW’s warten. Hier wird es wohl Diesel geben. Der freundliche Tankwart bestätigt unsere Vermutung und wir tanken voll. 216 Liter passen in die Tanks. Genau 130.000 Tuman verlangt der Tankwart.

Wir rechnen dreimal nach. Wir haben für 5 USD getankt. Der Literpreis beträgt unglaubliche 0,02 €. !!! Da macht das Tanken wirklich Spaß.

Wir versuchen weiterhin so schnell wie möglich nach Süden zu fahren, denn an den winterlichen Temperaturen ändert sich zunächst nichts.

Winter im Iran

Bei Hamedan besuchen wir die Schrifttafeln von Ganjnameh. Die Tafeln sind, ähnlich wie der Stein von Rosetta, eine frühe Übersetzungshilfe. In drei Sprachen (Alt Persisch, Babylonisch und Elamite) ist hier der gleiche Text eingraviert. 

In den Felsen graviert - Inschriften von Ganjnameh


Wir sind früh dran, denn die Nacht war wieder sehr frostig. Dafür haben wir die gesamte Anlage für uns alleine.

Am Morgen in Ganjnameh ...

... wenig später in Hamedan ...

Nach einem kurzen Zwischenstopp in Hamedan bei dem wir nochmals 50 € umtauschen, fahren wir noch 260 KM bis nach Khorramabad. Hier ist bereits der Frühling ausgebrochen. Angenehme 20°C verleiten uns am Nachmittag zum Auspacken unserer Campingstühle und zum Einpacken der Winterjacken.

... am Abend in Khorramabad

Am nächsten Morgen liegen wieder rund 240 KM bis nach Shush vor uns. Dort wollen wir uns das Grab des Daniels und die Ausgrabungsstätten des antiken Susa, sowie die Ziggurat von Chogha Zanbil ansehen.

Shush 1 - Daniels Grab

Shush 2 - Antikes Susa

Die Besichtigungen sind erstmals wieder richtig schweißtreibend, denn das Thermometer zeigt 30° C. Nach mehr als drei Wochen Reisedauer sind wir im Sommer angekommen. 

Ziggurat von Chogha Zanbil - Im Sommer angekommen


In nur drei Tagen haben wir vom Winter über den Frühling bis zum Sommer drei Jahreszeiten erlebt. Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, dass wir uns eine erste Schorle von unserem mitgebrachten Weißwein gönnen können.

Bis zur Irakischen Grenze bei Basra sind es ab jetzt noch ein paar Tage.

Wir versuchen unser restliches Bargeld auszugeben, kaufen ordentlich Obst, Gemüse und Getränke ein, tanken nochmals voll und lassen das Ogermobil waschen. 

Waschtag 1 - Der Schmutz von fast 4 Wochen wird gründlich entfernt

Waschtag 2 - Abwarten bis der Oger fertig ist

Trotzdem haben wir (umgerechnet) 20 € übrig. In der Woche im Iran konnten wir nur knapp 70 € ausgeben - Iran ist weiterhin ein extrem günstiges Reiseland.

Mit vollen Tanks und gespannter Erwartung fahren wir zur Grenze des Iraks.

Freitag, 25. Februar 2022

Georgien und Türkei

Von Batumi bis in den Iran sind es nur etwa 700 Kilometer. Die relativ kurze Strecke nehmen wir nach zwei Ruhetagen in Batumi in Angriff. Der Aufenthalt in der Stadt hat was. Unser Platz liegt strategisch gut. Alles Sehenswerte liegt in fußläufiger Entfernung und das Wetter spielt auch mit. Ein Tag voller Sonne. Mehr als ein Hauch von Frühling. 

Batumi - Seeseite

Batumi - Zentrum

Batumi - Ausblick vom Übernachtungsplatz

Von Batumi zur türkischen Grenze ist es nur ein Katzensprung. Direkt danach steigt die Straße auf Höhen von etwa 2.000 Meter an. Praktisch über die gesamte Strecke bleiben wir auf diesem Niveau. Das war es dann mit dem hauch von Frühling. Wir sind zurück im tiefsten Winter. Den Höhepunkt, besser gesagt die Tiefsttemperatur erreichen wir am zugefrorenen Cildier Gölü (1950 MüNN.). 

Cildier Gölü - Nachmittagskaffee auf dem Eis

Cildier Gölü - Klar und Kalt

Nachts fällt das Thermometer auf -9°C. Zuviel für die Dichtung am Dieselfilter. Als es hell wird, entdecke ich einen großen Dieselfleck unter dem Auto. Das Problem ist grundsätzlich schnell zu lösen. Ich wechsle den Filter. Das ist jedoch kein reines Vergnügen, auf dem tiefgefrorenen Boden, bei den arktischen Temperaturen.

Etwas mildere Temperaturen und einen tollen Übernachtungsplatz haben wir dann am Salzbergwerk in Tuzluca. Wir übernachten auf dem Parkplatz des Museums (frostfrei). 
Tuzluca - Besucherbergwerk

In Dogubayazit, kurz vor der Iranischen Grenze, machen wir den – leider nötigen – PCR Test für den Iran und besichtigen den Ichak Pascha Palast. Die Eintrittspreise in der Türkei sind, im Gegensatz zu früher, lächerlich niedrig. Umgerechnet 80 Cent kostet der Eintritt in den Ichak Pascha Palast
Ichak Pascha Palast

Zum Vergleich: 2004 lag der Preis (lt. unseres alten Reiseführers) bei umgerechnet 3,50 €. Ähnlich verhält es sich mit dem Dieselpreis. 2014 noch etwa 1,70 €/l, heute 1,00 €/l. Die niedrigen Preise haben wir wohl der galoppierenden Inflation in der Türkei zu verdanken. 

Am nächsten Morgen sollen wir das PCR-Testergebnis abrufen können. Also bleiben wir in Dogubayazit und übernachten am Palast (nicht frostfrei).

Ichak Pascha Palast - von unserem Übernachtungsplatz

Das Testergebnis liegt, wie versprochen, am morgen vor und ist „Negativ“. Leider ist wohl etwas im Labor durcheinander gekommen, denn obwohl die Passnummer und die Testnummer auf dem Ergebnis stimmen, sind Name und Geburtsdatum auf dem Zertifikat falsch. Also zurück zur Teststelle und reklamiert. Das Problem ist schnell verstanden, leider aber nicht schnell gelöst. Es wird hektisch telefoniert. Nach fast zwei Stunden zeichnet sich die Lösung ab. 

Es wird ein neuer Test gemacht – offiziell -, in Tat und Wahrheit wird nur ein neuer Datensatz angelegt und … Simsalabim… wir haben ein neues Zertifikat. Diesmal stimmt alles und wir fahren zur Grenze.

Dort wartet die nächste Geduldsprobe auf uns, denn wir kommen gegen Mittag dort an und es ist Freitag, also Gebetszeit. Erst einmal geht gar nichts. Es dauert wiederum fast zwei Stunden bis der zuständige Beamte auf iranischer Seite seine Pause beendet und unsere Dokumente geprüft hat. Dann geht alles ziemlich schnell. Nach weiteren 30 Minuten sind wir im Iran.

Sonntag, 13. Februar 2022

Verschiffung Odessa → Batumi

Zwischen Odessa und Georgien verkehren standardmäßig, in unregelmäßigen Abständen LKW-Fähren der Ukrainischen Fährgesellschaft Ukrferry (ukrferry.com/en/).

Wir buchen uns eine Überfahrt nach Batumi für den 9.2.22. Abfahrt soll um 20:00 Uhr sein. Die Ankunft in Batumi zwei Tage später (11.2.) um 18:00 Uhr.

Die Buchung über das Internet ist kein Problem. Am Tag vor der Abfahrt holen wir unser Ticket im Büro von Ukrferry in Odessa ab. Wir sollen am nächsten Mittag um 14:00 Uhr pünktlich am Hafen von Chornomorsk sein. Soweit so gut. 

Ein Problem sind die Einreiseregeln von Georgien. Wir benötigen für die Einreise nach Georgien, trotz vollständiger Impfung, einen PCR-Test der nicht älter als 72 Stunden ist. Die 72 Stunden werden vom Datum der Probenentnahme bis zur Ankunft in Batumi gerechnet. Da das Schiff schon fast 48 Stunden für die Überfahrt benötigt und das Testergebnis erst 24 Stunden nach Probenentnahme vorliegt, ist es nahezu unmöglich zur Einschiffung ein Testergebnis vorzulegen, welches bei Ankunft jünger als 72 Stunden ist.

Das Dilemma löst sich dadurch, das bei der Einschiffung lediglich ein Nachweis über die Durchführung des Tests vorliegen muss, jedoch noch kein Ergebnis. Es reicht das Testergebnis bei Ankunft in Batumi aus dem Internet herunterzuladen.

Am Abfahrtstag machen wir am Vormittag den verlangten Test, einschließlich eines Schnelltests. In der Summe kosten die Tests 30 €/Person.

Den Rest des Vormittags verbringen wir mit einem kurzen Spaziergang durch die Altstadt von Odessa. Wir parken an der Marineschule und laufen über den Hafen und die Potemkinsche Treppe zum Opernhaus. Von dort ist es nur ein Katzensprung zurück zum Ogermobil.

Odessa - Potemkinsche Treppe

Odessa - Oper

Odessa - etwas versteckter Parkplatz

Kurz vor 14:00 Uhr haben wir die Hafeneinfahrt von Chornomorsk erreicht. Die Zufahrt ist schwer zu finden, denn sie ist nicht anderes als ein ausgefahrener Feldweg auf den lediglich ein kleines Schild hinweist.

Dann stehen wir vor dem Tor und warten. Wenige Minuten nach 14:00 Uhr kommt ein Mitarbeiter der Fährgesellschaft und bringt uns „Berechtigungen zur Einfahrt“ in den Hafen. Außer uns wartet - neben 80 LKW's nur noch ein georgischer PKW vor der Hafeneinfahrt.

Chornomorsk - Hafentor

Wir werden zu einem Platz in der Nähe des Schiffes geleitet. Der Mitarbeiter erklärt uns, dass wir nun auf den Zoll warten sollten. Sobald der Zoll mit uns fertig ist, sollen wir in das Büro der Hafenpolizei gehen und dort die Passkontrolle erledigen. Danach könnten wir auf das Schiff, jedoch zunächst nur ohne Ogermobil.

Chornomorsk - Warten auf den Zoll

Es dauert nicht lange und der erste Zollbeamte taucht auf, kontrolliert die Fahrgestellnummer und sagt uns, dass wir noch auf seinen Kollegen warten sollen. 5 Minuten später kommt der besagte Kollege kontrolliert den Innenraum und übergibt uns zum Abschluss einen winzigen Abriss eines Zettels. Der Abriss ist, großzügig geschätzt 2x5 cm groß. Dort steht die Zulassungsnummer des Ogermobils, die Personenzahl und – ganz wichtig- ein Stempel. Er schärft uns ein den Zettel nicht zu verlieren, denn er ist die Eintrittskarte für das Schiff.

Die Passkontrolle ist schnell erledigt. Wir packen, was wir für zwei Tage auf dem Schiff benötigen. Wichtig ist auch etwas Verpflegung für den Notfall. In der Schiffspassage sind die Mahlzeiten zwar enthalten. Wir wissen jedoch nicht was uns serviert werden wird.

Auf dem Schiff irren wir zunächst etwas verloren durch den Laderaum, bis wir den Aufzug nach oben finden. Auf Deck 7 angekommen, bekommen wir an der Rezeption unsere Kabine zugeteilt und schleppen unser Gepäck noch ein Deck höher. Wir wohnen auf Deck 8, ganz vorne. Unsere Kabine ist sehr geräumig, hat zwei Fenster zum Öffnen, ein großes Doppelbett und einen Schreibtisch. 

Leider gibt es einen Nachteil. Aus der Dusche stinkt es wie in einer öffentlichen Bedürfnisanstalt. Als der Gestank auch nicht nachlässt nachdem wir Wasser in alle Abläufe gefüllt haben, wollen wir eine andere Unterkunft. Also zurück zur Rezeption und reklamiert. Der freundliche Rezeptionist sagt nur, dass das Schiff schon älter ist und das der Kanal manchmal stinken würde. Er drückt mir aber die Schlüssel aller großen Kabinen in die Hand. Wir sollen uns eine andere aussuchen. Die anderen Kabinen stinken nicht, sind aber alle etwas kleiner. Wir entscheiden uns für die Eckkabine auf der Steuerbordseite und ziehen mit Sack und Pack um.

M/V Kaunas - Kabine

Mit dem Einladen des Ogermobils müssen wir ewig warten. Gegen 21:30 Uhr werde ich zum Auto gerufen und fahre das Ogermobil auf das Schiff. Auf der Verladerampe sammelt ein Soldat die Eintrittskarte ein. Kurz danach legt das Schiff – mit ordentlicher Verspätung - ab.

Chornomorsk - Abfahrt mit Verspätung

Die Mahlzeiten werden mit militärischer Präzision pünktlich zur festgesetzten Zeit angeboten. Es gibt feste Plätze. Bei uns am Tisch sitzen der Fahrer des georgischen PKW`s, ein LKW-Fahrer aus Aserbaidschan, ein Tschetschene und ein Schweizer, der mit dem Fahrrad auf Campingreise in den Iran ist.

M/V Kaunas - Standardverpflegung (Nudeln mit Leberwurst und Salat)

Wider Erwarten ist die Qualität des Essens nicht ganz so schlecht. Es bleibt jedoch nur wenig Zeit für eine gepflegte Mahlzeit, denn nach 20 Minuten fangen die Mitarbeiter des Restaurants schon mit dem Abräumen an. Spätestens nach einer halben Stunde ist die Nahrungsaufnahme beendet.

Die Freizeitmöglichkeiten auf dem Schiff sind nur sehr spärlich. Etwas spazieren gehen auf dem Deck (leider ist es ziemlich frisch), in der Bar einen Kaffee trinken (ist mit 1 €/Tasse sehr günstig und schmeckt) oder lesen in der Kabine.

M/V Kaunas - Erfrischender Deckspaziergang

So oder so, wir fühlen uns ganz wohl auf dem Schiff. Die Gesellschaft der LKW-Fahrer ist angenehm und das Wetter spielt endlich mit, denn die Sonne scheint den ganzen Tag.

Der zweite Tag auf der Fähre vergeht rasend schnell. Kurz nach dem Mittagessen erreichen wir Batumi. Auf dem Schiff gibt es jetzt WIFI, so dass wir uns die Ergebnisse des PCR-Tests runter laden können. Wie erwartet ist alle OK. Die Einreiseformalitäten finden bereits an Bord (in der Bar) statt. Nach dem Anlegen warten deshalb alle dichtgedrängt vor der Bar. Wir stellen uns brav hinten an, werden aber schnell nach vorne gerufen. Unser Auto ist als letztes eingeladen worden, also muss es als erstes wieder raus. Unser Glück, denn so werden wir auch als Erste abgefertigt.

Batumi - Pünktliche Ankunft

Die – durchaus freundliche – Passkontrolle wird sehr gewissenhaft von zwei Frauen durchgeführt. Penibel werden die Impfnachweise, sowie der PCR-Test kontrolliert und die QR-Codes geprüft. Außerdem Fahrzeug- und Führerschein, sowie die Pässe. Nach einer Ewigkeit sind die Damen zufrieden, stempeln unsere Pässe „Welcome to Georgia“ und wir können mit dem Auto vom Schiff. Da wir die ersten sind, suchen wir erst einmal die Ausfahrt. Dort wird das Auto nochmal auf einer Liste abgehakt, dann sind wir im Land. Unser Übernachtungsplatz ist nicht weit entfernt, am Rand der Altstadt auf einer Wiese am Strand.

Batumi - Übernachtung in der Stadt (trotzdem sehr ruhig)

Unser Fazit zur Verschiffung. Obwohl das Schiff schon deutlich sichtbar in die Jahre gekommen und die Passage mit fast 1000 € auch nicht gerade billig ist, überwiegen die positiven Aspekte. Die Besatzung ist freundlich und hilfsbereit, die Gesellschaft der LKW-Fahrer angenehm und die Abwicklung insgesamt unkompliziert.

Mittwoch, 9. Februar 2022

Anreise Odessa - Teil 2

Der Morgen ist wieder kalt, Als wir Aufwachen haben wir noch 13°C im Auto. Zum Schlafen sehr angenehm, zum Frühstücken entschieden zu kalt. Zum Glück funktioniert unsere Standheizung und die Wärmeisolierung des Ogermobils ist richtig gut.Es dauert nur wenige Minuten bis wir wieder eine angenehme Wärme (20°C) im Auto haben. Nach dem Frühstück fahren wir dann nach Krakau. Krakau ist, wie Breslau, eine Stadt mit Atmosphäre (sogar im Winter). Bei recht gutem Wetter machen wir einen Bummel durch die Altstadt. 

Krakau - Marienkirche I

karakau - Marienkirche II

Krakau

Krakau - Wawel

Am Nachmittag fahren wir noch bis kurz vor die Grenze zur Ukraine um dort zu übernachten.

Lange haben wir geschwankt welchen der Grenzübergänge wir nehmen sollen, da wir von verschiedenen Reisenden gehört haben, dass Wartezeiten von 6–12 Stunden nichts ungewöhnliches sind. Vom polnischen Grenzschutz gibt es eine Internetseite mit Live-Bildern von den Grenzübergängen einschließlich der geschätzten Wartezeiten. Diese Website konsultieren wir noch vor dem Frühstück. Der Grenzübergang an der Autobahn sieht leer und verlassen aus - Kunststück - es ist ja Sonntag morgen. Also schnell die verbleibenden Kilometer zur Grenze.

Ganze sechs Autos warten in zwei Spuren vor der polnischen Passkontrolle. Wir suchen uns die Spur „EU-Pässe“ aus. 3 Autos vor uns. Neben uns baut sich die kurze Schlange zügig ab. Bei uns tut sich nichts. 15 Minuten lang. Dann rücken wir zur Kontrolle vor. Ein eingemummelter Grenzer sammelt die Pässe ein, wirft einen Blick ins Auto, lässt sich die Fahrgestellnummer zeigen und verschwindet dann mit den Pässen. Dann passiert ….. nichts. Es dauert eine weitere Viertelstunde bis er wieder auftaucht und uns unsere Pässe zurückgibt. Auf der ukrainischen Seite geht es dagegen superschnell. Wir werden auf die LKW-Spur gelotst, kein Anstehen, wir werden von „Häuschen“ zu „Häuschen“ geschickt, bekommen ein paar schicke Stempel und weiter geht es. 15 Minuten...richtig toll. Insgesamt sind wir weniger als eine Stunde an der Grenze. Nicht schlecht denken wir, und weiter geht es nach Lwiw (Lemberg).

Lwiw ist die dritte Stadt, nach Breslau und Krakau, die wir besichtigen. Auch Lwiw ist schön restauriert und beherbergt eine unübersehbare Anzahl von Kneipen aller Art, die jedoch nur schwach frequentiert sind. In den - anscheinend gut besuchten - Kirchen wird „für die Ukraine gebetet“, so steht es zumindest – in englisch – an den Kirchentoren.


Lwiw - Altstadtbummel

Ursprünglich wollten wir in Lwiw übernachten. Da wir aber so früh dran sind entscheiden wir uns noch ein paar Kilometer aus der Stadt heraus zu fahren.

Die Landschaft ist eintönig. Flach, vielleicht ein paar Wellen, aber ansonsten Felder, Felder, Felder … soweit das Auge reicht.

Die Straßen hingegen sind überraschend gut. Breit ausgebaut, glatter Belag, wenig Verkehr...wir kommen gut voran.

Es ist jedoch schwer ruhige Plätze abseits der Straße zu finden. Erstens gibt es nur wenige, zweitens sind die möglichen Zufahrten dick mit Schnee bedeckt. Es ist kaum auszumachen wo der Weg aufhört und wo der Graben beginnt. 

Schließlich entdecken wir einen kleinen, gut erkennbaren Weg zu einem See. Etwa 200 Meter von der Straße entfernt führt der Weg durch einen kleinen Wald, dort finden wir einen schönen, eingeschneiten Platz. Die Nachtruhe ist gesichert.

Winterlandschaft

Bis Odessa sind es noch gut 700 Kilometer. Die wollen wir in den nächsten beiden Tagen fahren.

Es ist auch kein Problem obwohl es zunehmend winterlicher wird. Es schneit. Manchmal Tagsüber, manchmal Nachts, aber die Straßen bleiben gut befahrbar.

M5 - Winter in der Ukraine

Planmäßig erreichen wir Odessa und kümmern uns um die Verschiffung nach Georgien Doch das ist Thema unseres nächsten Blogeintrags……..


Odessa - Angekommen