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Dienstag, 1. Oktober 2013

Nepal - Trekking zum Everest Base Camp (EBC) von Gaby

Wir wollen zum Everest Base Camp in Nepal. Bereits im Januar haben wir bei „NepalSocialtreks“ unsere Tour gebucht. Start ist in Kathmandu. Hier haut einen das quirlige Leben fast um. Zu viele Leute wohnen auf engstem Raum, die Straßen sind super eng und zum großen Teil im Bauzustand. Um uns herum brummen die vielen Mopeds, Autos, Fahrräder und Rikschas.

Hauptverkehrsstraße in Kathmandu
Eine Müllentsorgung scheint nicht vorhanden zu sein. Wir sind glücklich einen Parkplatz bei unserem Hotel Moonlight - mitten in Thamel - für unseren Oger gefunden zu haben, der zudem bei Tag und Nacht bewacht ist.
Parkplatz des Hotels Moonlight
Wir bekommen 2 Schlafsäcke und 2 große Sporttaschen von unserer Reisegesellschaft gestellt. Ich packe wie ein Anfänger. Unser ganzes Gepäck purzelt in den großen Taschen durcheinander. Kleinere Innentaschen und Plastiktüten wären nicht schlecht gewesen. Habe nicht bedacht Handtücher, Leintücher, Seife und Toilettenpapier einzupacken. Aber unterwegs gibt es alles zum entsprechenden Preis zu kaufen. Immerhin habe ich eine Taschen- und Stirnlampe dabei, was später noch von Nutzen ist, denn die Toiletten im Außenbereich haben meist kein Licht.


Tag 1


Um 6 Uhr fahren wir mit dem Taxi zum Flugplatz um nach Lukla zu fliegen. Das Wetter dort ist schlecht und unser Flug verschiebt sich auf 10 Uhr 30. Nach uns startet nur noch eine Maschine. Die anderen Fluggäste dürfen es am nächsten Morgen noch mal probieren. Dirk und ich sitzen direkt hinter den Piloten, die kaum von uns getrennt sind. Mit uns fliegen noch 11 weitere Personen. Gleich nach dem Einsteigen geht es los, es gibt keine Sicherheitseinweisung. Eine Stewardess bringt uns ein Bonbon und eine Zeitung. Der Flug dauert etwa eine halbe Stunde. Ganz nah unter uns sind die 4000 Meter hohen Gipfel und die Abstandslampen in der Kanzel blinken häufig auf. 

Die Gipfel scheinen zum Greifen nahe...
Mir ist ganz mulmig zumute, wo man doch weiß, dass Lukla als einer der gefährlichsten Flugplätze der Welt gilt. Die 500 m kurze und stark geneigte Landebahn ist nur auf Sicht anzufliegen. Doch die Piloten verstehen ihren Job und landen die kleine Maschine direkt vor dem Berg mit der Aufschrift „Welcome“. Die Piloten bekommen einen Kaffee gebracht und nach dem Aus- und Einsteigen wird wieder abgeflogen.  

Flughafen Lukla. 
Wir bekommen einen Träger, der uns unsere 2 schweren Taschen die nächsten 12 Tage trägt.

Jeder hat sein Päckchen zu tragen ...
Unser Führer Kumar hat uns bereits von Kathmandu begleitet und erledigt für uns alle Formalitäten.Wir brauchen uns um die Zimmersuche, Bezahlung der Unterkünfte sowie die Besorgung von Essen und Trinken nicht zu kümmern. Nur laufen müssen wir alleine und das ist anstrengender als wir uns das vorgestellt haben. Die Wege sind zwar meist breit, jedoch uneben und steinig, viele Hängebrücken , Stufen, Felsvorsprünge, entgegenkommende Träger, Jaks, Mulis und Esel. Meine Halsschmerzen sind jetzt zu einem Schnupfen geworden, was sehr lästig ist. Unsere erste Unterkunft in Phakding (2640m) erreichen wir nach 3 Stunden stetigen Bergab laufens. Wir haben Glück und bekommen ein Zimmer mit Bad. Auch das Essen schmeckt lecker, Spaghetti mit Hackfleischsoße. Später verzichten wir auf jegliches Fleisch, denn oft können wir das schon riechende Fleisch in den Körben ,die nach oben gebracht werden ,schnuppern.  

Phakding, unser erstes Etappenziel

Tag 2


Am 2. Tag packen wir unsere Wanderstöcke aus, die wir dann nicht mehr missen möchten. Es geht nach Namche Basar (3440m), der Hauptstadt der Sherpas. Die ersten 3 Stunden sind erträglich, doch dann geht es 600 Höhenmeter nur noch bergauf. Wir beide keuchen um die Wette und müssen oft pausieren. Kurz vor dem Ort trinken wir noch einen gesüßten Zitronentee, der uns noch die letzten Meter hoch puscht.

Hier beginnt die Quälerei, nur noch 600 Höhenmeter ...
Wieder haben wir Glück und bekommen ein Zimmer mit Toilette, was hier oben Luxus ist. Für warmes Duschen und Akkuaufladen muss extra bezahlt werden. Die Lodge ist gut besucht. Das Essen ist weniger gut. Der Salzstreuer steht nicht still. 

Namche Basar, der Hauptort im Everestgebiet

Tag 3


Nach den anstrengenden 2 Tagen haben wir am nächsten Tag einen Ruhetag, an dem wir einen Spaziergang zum Museum auf dem Hügel des Sagarmatha Nationalparks machen. Von hier hat man eine tolle Aussicht auf den Everest, den Lhotse, Nuptse und den Ama Dablam. Die Einkehr in eine deutsche Bäckerei ist enttäuschend , um 11 Uhr sind noch keine Croissants zu bekommen, die Preise für die übrigen Sachen sind dafür überdimensional. Der italienische Kaffee Lavazzo schmeckt seltsam anders. Die Preise für alles steigen stetig an. Dirk hat jetzt auch die Erkältung bekommen und seine Nasentropfen kosten ca. 8 Euro.

Wasser gibt es in 1 Liter Wasserflaschen für die Touristen zu kaufen. Auf dem Weg findet man immer wieder Müllbehälter für Plastik und Papier, Glas und Metall. So kann man die lästigen Plastikflaschen wieder entsorgen.

Mülltrennung am Wegesrand
Am Wegesrand und auch in den Ortschaften liegt kein Müll. Es gibt keine Abgase, da es ja auch keine Fahrzeuge gibt. Jegliche Ware wird auf dem Rücken der Träger oder Tiere transportiert. Was ist das für ein Gegensatz zu Kathmandu!


Tag 4

Wir laufen in ungefähr 5 Stunden nach Deboche ( 3820 m). Das Laufen fällt uns schon viel leichter. Wir übernachten im Hotel Paradise , das sehr kalt und feucht ist. Kurz nachdem wir ankommen sind, fängt es an zu regnen und hört bis in die Abendstunden nicht mehr auf. Die Tage davor hatten wir nur gutes Wetter. Der Ofen wird nur für 2 Stunden angemacht. Man geht davon aus, dass wir nach dem Abendessen zu Bett gehen. Alles ist klamm.


Tag 5


Am Morgen platzt Dirk der Kragen. In dem Aufenthaltsraum ist es richtig kalt und die Familie sitzt in der Küche um den Herd . Endlich machen sie auch für uns den Ofen an.

Wenig später brechen wir schon auf nach Dingboche (4410 m). Das Wetter ist klar und wir haben herrliche Aussichten auf die hohen schneebedeckten Gipfel.

Ama Dablam
Man sieht überall Enzian und Edelweiß blühen und wird an die Alpen erinnert. Dagegen wundert es einen, dass hier oben immer noch Kartoffeln und Getreide gedeihen. Wir lernen, dass der Wortteil “Che“ Dung bedeutet und die Wichtigkeit der Yakscheiße betont, die getrocknet und geformt im Winter zum Heizen genommen wird. Wenn Dirk fragt wie weit es denn noch nach oben geht sagt unser Guide „ a little bit up „ (wörtlich: Ein bisschen nach oben, d.h. jetzt wirds richtig steil). 

Zerstörte Brücke
Wir übernachten in der Sherpa Lodge., die gut besucht ist mit Spaniern, Israelis, Deutschen und Chinesen.. Unser Zimmer ist ein Bretterverschlag mit einfachverglastem Fenster. In der Toilette und im Gang haben wir kein Licht. Jedes Tönchen ist durch die Sperrholz dicken Wände zu hören. Für etwa 4 Euro kann man draußen in einem Räumchen warm duschen. Wir beobachten das Spektakel im Innenhof . Zum Heizen benötigt man eine Gasflasche und das Wasser muss auch erst zum Laufen gebracht werden. Der Wirt steht neben der Dusche und bedient die Versorgung. Das Nationalgericht ist Dal Bhat , Reis mit Gemüse und eine Art Linsensuppe - es schmeckt mir und sättigt gut. Dirk schläft wie ein Murmeltier, ich dagegen schlecht. Morgens habe ich Kopfweh, das ich mit 2 Aspirin wieder vertreiben kann. Husten tun wir aber beide kräftig.

Eine Yak Herde auf dem Weg nach oben

Tag 6

An unserem Ruhetag laufen wir in Richtung Chhukung (4730m) . Von hier hat man einen schönen Blick auf den Island Peak (6189m), der wirklich schneebedeckt ist. Außerdem sieht man den Amphulapche (5663m). Jetzt gibt es auch keine Bäume und Anpflanzungen mehr.



Tag 7


Jetzt geht es nach Lobuche auf 4930 Meter. Jede Anstrengung ist härter, weil die Luft jetzt wirklich dünn ist. Ich muss sehr viel auf Dirk warten, der ab einer bestimmten Höhe bei jedem Meter keucht. Die Landschaft ist nur noch karg. Wir kommen an Monumenten vorbei, die an die am Mt. Everest vermissten und gestorbenen Kletterer und Sherpas erinnern.

Gedenkstätte für die Opfer des Mt. Everests

Nach 4- 5 Stunden erreichen wir unsere Unterkunft. Unterwegs haben wir nie gegessen um nicht noch unnötig müde zu werden, jedoch süße Teepausen mussten immer sein. Der Hunger ist ziemlich abhanden
gekommen, besonders bei Dirk. In der Nacht bekommt Dirk schlecht Luft und keucht sogar im Sitzen. Ich gebe ihm ein Diamox, das aber alleine nicht hilft.

Tag 8


Wir beschließen am nächsten Morgen gleich wieder abzusteigen. Die Symptome deuten auf ein Lungenödem hin und damit ist nicht zu spaßen. Bis zum Everest Base Camp wären jetzt noch 4 Stunden und 400 Höhenmeter. Darauf müssen wir verzichten, haben ja die meisten hohen Gipfel schon vorher gesehen und so fällt es uns leicht wieder nach unten zu laufen.  

So kann man es aushalten ...
Dirk braucht ein bisschen länger wegen des“ Schnaufens“, aber es geht und wir machen Station in Pheriche auf nur noch 4270 Meter. Er schläft erst mal und ich suche die Arztstation auf. Wieder haben wir Glück und amerikanische Ärzte haben seit heute eine medizinische Versorgung eingerichtet. Dirk wird untersucht. Die Sauerstoffversorgung ist gut, die Lunge weist keine Geräusche auf , die Temperatur ist auch normal und so sind wir zufrieden. Man sagt uns, wir haben das Beste unter diesen Umständen getan. Das Diamox soll Dirk noch mal einnehmen, es würde das Atmen erleichtern.

Jetzt ist alles wieder gut 


Tag 9


Am Morgen geht es Dirk wieder besser und wir laufen nach Phunke Tenga mit nur noch 3330 Metern. Unterwegs treffen wir auf eine Gruppe Vietnamesen, die schon vorher mit uns in der selben Unterkunft waren. Sie erzählen mir, dass von ihrer 10er Mannschaft 3 mit dem Hubschrauben nach unten geflogen wurden weil sie im Base Camp gesundheitliche Probleme hatten.Wir schlafen an einem Wasserfall. Licht gibt es im Zimmer diesmal nicht. Dirk und ich sind von dem langen Abstieg vorher aber auch ganz schön erschöpft, so dass wir schon um 19 Uhr schlafen.

Gaby und Kumar beim Abstieg

Tag 10


Es regnet in der Nacht und auch am Morgen nieselt es. Wir haben keine Regenschutz dabei, aber die Shelljacken helfen auch. Der Aufstieg ist beschwerlich und das viele Hinunter laufen belastet die Knie doch erheblich. Aber nach 13,5 km haben wir in Jotrsalle (2850 Meter) eine gute Unterkunft bekommen und der Appetit kehrt wieder zurück.

Es gibt überall Beobachter ...

Jetzt fehlt uns nur noch nach Lukla bergauf zurück zu laufen. Unterwegs kommt uns eine Gruppe entgegen. Ein junger Mann will schneller als die anderen sein und probiert mich talwärts zu überholen. Er fällt nur ein bisschen den Hang hinunter, denn zum Glück bremsen ihn die Sträucher. Hoffentlich ist es ist ihnen eine Lehre, die Abhänge nicht zu unterschätzen. Nach 6 Stunden erreichen wir unsere Lodge, die direkt neben dem Flughafen liegt, der aber nachmittags schon nicht mehr im Betrieb ist. Kurz vorher schmeißt noch ein kleines Kind Steinchen nach uns. Die Eltern stehen daneben und lachen. Dirk schimpft und wir sagen dem Militär Bescheid über den Vorfall und die Eltern werden verwarnt. Wir bekommen am Folgetag um 8 Uhr ein Flug zurück nach Kathmandu.

Tag 11

Diesmal kann ich den Flug besser genießen. Es hat in der Nacht geregnet und der Himmel ist ziemlich klar. Außerdem habe ich den besten Platz im Flugzeug und kann mich mit Filmen ablenken.


Kathmandu hat uns wieder. Es ist sehr schwül und die Stadt wirkt auf einen noch pulsierender als zuvor.

Insgesamt sind wir 110 km gelaufen und haben 5.500 Höhenmeter überwunden.

Ich habe 5 Päckchen Blasenpflaster dabei gehabt und keine einzige Packung gebraucht. Unsere Füße waren nach der Tour wie neu. Wir haben jedoch einige Leute gesehen, die in Flip Flops den Berg hinunter sind, weil ihre Füße wund waren.

Dirks Motto lautet, man braucht gute Schuhe für die Füße und einen guten Führer für die Motivation. Alles andere ist nicht so wichtig beim Bergwandern.  

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