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Sonntag, 13. Februar 2022

Verschiffung Odessa → Batumi

Zwischen Odessa und Georgien verkehren standardmäßig, in unregelmäßigen Abständen LKW-Fähren der Ukrainischen Fährgesellschaft Ukrferry (ukrferry.com/en/).

Wir buchen uns eine Überfahrt nach Batumi für den 9.2.22. Abfahrt soll um 20:00 Uhr sein. Die Ankunft in Batumi zwei Tage später (11.2.) um 18:00 Uhr.

Die Buchung über das Internet ist kein Problem. Am Tag vor der Abfahrt holen wir unser Ticket im Büro von Ukrferry in Odessa ab. Wir sollen am nächsten Mittag um 14:00 Uhr pünktlich am Hafen von Chornomorsk sein. Soweit so gut. 

Ein Problem sind die Einreiseregeln von Georgien. Wir benötigen für die Einreise nach Georgien, trotz vollständiger Impfung, einen PCR-Test der nicht älter als 72 Stunden ist. Die 72 Stunden werden vom Datum der Probenentnahme bis zur Ankunft in Batumi gerechnet. Da das Schiff schon fast 48 Stunden für die Überfahrt benötigt und das Testergebnis erst 24 Stunden nach Probenentnahme vorliegt, ist es nahezu unmöglich zur Einschiffung ein Testergebnis vorzulegen, welches bei Ankunft jünger als 72 Stunden ist.

Das Dilemma löst sich dadurch, das bei der Einschiffung lediglich ein Nachweis über die Durchführung des Tests vorliegen muss, jedoch noch kein Ergebnis. Es reicht das Testergebnis bei Ankunft in Batumi aus dem Internet herunterzuladen.

Am Abfahrtstag machen wir am Vormittag den verlangten Test, einschließlich eines Schnelltests. In der Summe kosten die Tests 30 €/Person.

Den Rest des Vormittags verbringen wir mit einem kurzen Spaziergang durch die Altstadt von Odessa. Wir parken an der Marineschule und laufen über den Hafen und die Potemkinsche Treppe zum Opernhaus. Von dort ist es nur ein Katzensprung zurück zum Ogermobil.

Odessa - Potemkinsche Treppe

Odessa - Oper

Odessa - etwas versteckter Parkplatz

Kurz vor 14:00 Uhr haben wir die Hafeneinfahrt von Chornomorsk erreicht. Die Zufahrt ist schwer zu finden, denn sie ist nicht anderes als ein ausgefahrener Feldweg auf den lediglich ein kleines Schild hinweist.

Dann stehen wir vor dem Tor und warten. Wenige Minuten nach 14:00 Uhr kommt ein Mitarbeiter der Fährgesellschaft und bringt uns „Berechtigungen zur Einfahrt“ in den Hafen. Außer uns wartet - neben 80 LKW's nur noch ein georgischer PKW vor der Hafeneinfahrt.

Chornomorsk - Hafentor

Wir werden zu einem Platz in der Nähe des Schiffes geleitet. Der Mitarbeiter erklärt uns, dass wir nun auf den Zoll warten sollten. Sobald der Zoll mit uns fertig ist, sollen wir in das Büro der Hafenpolizei gehen und dort die Passkontrolle erledigen. Danach könnten wir auf das Schiff, jedoch zunächst nur ohne Ogermobil.

Chornomorsk - Warten auf den Zoll

Es dauert nicht lange und der erste Zollbeamte taucht auf, kontrolliert die Fahrgestellnummer und sagt uns, dass wir noch auf seinen Kollegen warten sollen. 5 Minuten später kommt der besagte Kollege kontrolliert den Innenraum und übergibt uns zum Abschluss einen winzigen Abriss eines Zettels. Der Abriss ist, großzügig geschätzt 2x5 cm groß. Dort steht die Zulassungsnummer des Ogermobils, die Personenzahl und – ganz wichtig- ein Stempel. Er schärft uns ein den Zettel nicht zu verlieren, denn er ist die Eintrittskarte für das Schiff.

Die Passkontrolle ist schnell erledigt. Wir packen, was wir für zwei Tage auf dem Schiff benötigen. Wichtig ist auch etwas Verpflegung für den Notfall. In der Schiffspassage sind die Mahlzeiten zwar enthalten. Wir wissen jedoch nicht was uns serviert werden wird.

Auf dem Schiff irren wir zunächst etwas verloren durch den Laderaum, bis wir den Aufzug nach oben finden. Auf Deck 7 angekommen, bekommen wir an der Rezeption unsere Kabine zugeteilt und schleppen unser Gepäck noch ein Deck höher. Wir wohnen auf Deck 8, ganz vorne. Unsere Kabine ist sehr geräumig, hat zwei Fenster zum Öffnen, ein großes Doppelbett und einen Schreibtisch. 

Leider gibt es einen Nachteil. Aus der Dusche stinkt es wie in einer öffentlichen Bedürfnisanstalt. Als der Gestank auch nicht nachlässt nachdem wir Wasser in alle Abläufe gefüllt haben, wollen wir eine andere Unterkunft. Also zurück zur Rezeption und reklamiert. Der freundliche Rezeptionist sagt nur, dass das Schiff schon älter ist und das der Kanal manchmal stinken würde. Er drückt mir aber die Schlüssel aller großen Kabinen in die Hand. Wir sollen uns eine andere aussuchen. Die anderen Kabinen stinken nicht, sind aber alle etwas kleiner. Wir entscheiden uns für die Eckkabine auf der Steuerbordseite und ziehen mit Sack und Pack um.

M/V Kaunas - Kabine

Mit dem Einladen des Ogermobils müssen wir ewig warten. Gegen 21:30 Uhr werde ich zum Auto gerufen und fahre das Ogermobil auf das Schiff. Auf der Verladerampe sammelt ein Soldat die Eintrittskarte ein. Kurz danach legt das Schiff – mit ordentlicher Verspätung - ab.

Chornomorsk - Abfahrt mit Verspätung

Die Mahlzeiten werden mit militärischer Präzision pünktlich zur festgesetzten Zeit angeboten. Es gibt feste Plätze. Bei uns am Tisch sitzen der Fahrer des georgischen PKW`s, ein LKW-Fahrer aus Aserbaidschan, ein Tschetschene und ein Schweizer, der mit dem Fahrrad auf Campingreise in den Iran ist.

M/V Kaunas - Standardverpflegung (Nudeln mit Leberwurst und Salat)

Wider Erwarten ist die Qualität des Essens nicht ganz so schlecht. Es bleibt jedoch nur wenig Zeit für eine gepflegte Mahlzeit, denn nach 20 Minuten fangen die Mitarbeiter des Restaurants schon mit dem Abräumen an. Spätestens nach einer halben Stunde ist die Nahrungsaufnahme beendet.

Die Freizeitmöglichkeiten auf dem Schiff sind nur sehr spärlich. Etwas spazieren gehen auf dem Deck (leider ist es ziemlich frisch), in der Bar einen Kaffee trinken (ist mit 1 €/Tasse sehr günstig und schmeckt) oder lesen in der Kabine.

M/V Kaunas - Erfrischender Deckspaziergang

So oder so, wir fühlen uns ganz wohl auf dem Schiff. Die Gesellschaft der LKW-Fahrer ist angenehm und das Wetter spielt endlich mit, denn die Sonne scheint den ganzen Tag.

Der zweite Tag auf der Fähre vergeht rasend schnell. Kurz nach dem Mittagessen erreichen wir Batumi. Auf dem Schiff gibt es jetzt WIFI, so dass wir uns die Ergebnisse des PCR-Tests runter laden können. Wie erwartet ist alle OK. Die Einreiseformalitäten finden bereits an Bord (in der Bar) statt. Nach dem Anlegen warten deshalb alle dichtgedrängt vor der Bar. Wir stellen uns brav hinten an, werden aber schnell nach vorne gerufen. Unser Auto ist als letztes eingeladen worden, also muss es als erstes wieder raus. Unser Glück, denn so werden wir auch als Erste abgefertigt.

Batumi - Pünktliche Ankunft

Die – durchaus freundliche – Passkontrolle wird sehr gewissenhaft von zwei Frauen durchgeführt. Penibel werden die Impfnachweise, sowie der PCR-Test kontrolliert und die QR-Codes geprüft. Außerdem Fahrzeug- und Führerschein, sowie die Pässe. Nach einer Ewigkeit sind die Damen zufrieden, stempeln unsere Pässe „Welcome to Georgia“ und wir können mit dem Auto vom Schiff. Da wir die ersten sind, suchen wir erst einmal die Ausfahrt. Dort wird das Auto nochmal auf einer Liste abgehakt, dann sind wir im Land. Unser Übernachtungsplatz ist nicht weit entfernt, am Rand der Altstadt auf einer Wiese am Strand.

Batumi - Übernachtung in der Stadt (trotzdem sehr ruhig)

Unser Fazit zur Verschiffung. Obwohl das Schiff schon deutlich sichtbar in die Jahre gekommen und die Passage mit fast 1000 € auch nicht gerade billig ist, überwiegen die positiven Aspekte. Die Besatzung ist freundlich und hilfsbereit, die Gesellschaft der LKW-Fahrer angenehm und die Abwicklung insgesamt unkompliziert.

Mittwoch, 9. Februar 2022

Anreise Odessa - Teil 2

Der Morgen ist wieder kalt, Als wir Aufwachen haben wir noch 13°C im Auto. Zum Schlafen sehr angenehm, zum Frühstücken entschieden zu kalt. Zum Glück funktioniert unsere Standheizung und die Wärmeisolierung des Ogermobils ist richtig gut.Es dauert nur wenige Minuten bis wir wieder eine angenehme Wärme (20°C) im Auto haben. Nach dem Frühstück fahren wir dann nach Krakau. Krakau ist, wie Breslau, eine Stadt mit Atmosphäre (sogar im Winter). Bei recht gutem Wetter machen wir einen Bummel durch die Altstadt. 

Krakau - Marienkirche I

karakau - Marienkirche II

Krakau

Krakau - Wawel

Am Nachmittag fahren wir noch bis kurz vor die Grenze zur Ukraine um dort zu übernachten.

Lange haben wir geschwankt welchen der Grenzübergänge wir nehmen sollen, da wir von verschiedenen Reisenden gehört haben, dass Wartezeiten von 6–12 Stunden nichts ungewöhnliches sind. Vom polnischen Grenzschutz gibt es eine Internetseite mit Live-Bildern von den Grenzübergängen einschließlich der geschätzten Wartezeiten. Diese Website konsultieren wir noch vor dem Frühstück. Der Grenzübergang an der Autobahn sieht leer und verlassen aus - Kunststück - es ist ja Sonntag morgen. Also schnell die verbleibenden Kilometer zur Grenze.

Ganze sechs Autos warten in zwei Spuren vor der polnischen Passkontrolle. Wir suchen uns die Spur „EU-Pässe“ aus. 3 Autos vor uns. Neben uns baut sich die kurze Schlange zügig ab. Bei uns tut sich nichts. 15 Minuten lang. Dann rücken wir zur Kontrolle vor. Ein eingemummelter Grenzer sammelt die Pässe ein, wirft einen Blick ins Auto, lässt sich die Fahrgestellnummer zeigen und verschwindet dann mit den Pässen. Dann passiert ….. nichts. Es dauert eine weitere Viertelstunde bis er wieder auftaucht und uns unsere Pässe zurückgibt. Auf der ukrainischen Seite geht es dagegen superschnell. Wir werden auf die LKW-Spur gelotst, kein Anstehen, wir werden von „Häuschen“ zu „Häuschen“ geschickt, bekommen ein paar schicke Stempel und weiter geht es. 15 Minuten...richtig toll. Insgesamt sind wir weniger als eine Stunde an der Grenze. Nicht schlecht denken wir, und weiter geht es nach Lwiw (Lemberg).

Lwiw ist die dritte Stadt, nach Breslau und Krakau, die wir besichtigen. Auch Lwiw ist schön restauriert und beherbergt eine unübersehbare Anzahl von Kneipen aller Art, die jedoch nur schwach frequentiert sind. In den - anscheinend gut besuchten - Kirchen wird „für die Ukraine gebetet“, so steht es zumindest – in englisch – an den Kirchentoren.


Lwiw - Altstadtbummel

Ursprünglich wollten wir in Lwiw übernachten. Da wir aber so früh dran sind entscheiden wir uns noch ein paar Kilometer aus der Stadt heraus zu fahren.

Die Landschaft ist eintönig. Flach, vielleicht ein paar Wellen, aber ansonsten Felder, Felder, Felder … soweit das Auge reicht.

Die Straßen hingegen sind überraschend gut. Breit ausgebaut, glatter Belag, wenig Verkehr...wir kommen gut voran.

Es ist jedoch schwer ruhige Plätze abseits der Straße zu finden. Erstens gibt es nur wenige, zweitens sind die möglichen Zufahrten dick mit Schnee bedeckt. Es ist kaum auszumachen wo der Weg aufhört und wo der Graben beginnt. 

Schließlich entdecken wir einen kleinen, gut erkennbaren Weg zu einem See. Etwa 200 Meter von der Straße entfernt führt der Weg durch einen kleinen Wald, dort finden wir einen schönen, eingeschneiten Platz. Die Nachtruhe ist gesichert.

Winterlandschaft

Bis Odessa sind es noch gut 700 Kilometer. Die wollen wir in den nächsten beiden Tagen fahren.

Es ist auch kein Problem obwohl es zunehmend winterlicher wird. Es schneit. Manchmal Tagsüber, manchmal Nachts, aber die Straßen bleiben gut befahrbar.

M5 - Winter in der Ukraine

Planmäßig erreichen wir Odessa und kümmern uns um die Verschiffung nach Georgien Doch das ist Thema unseres nächsten Blogeintrags……..


Odessa - Angekommen


Freitag, 4. Februar 2022

Anreise Odessa - Teil 1

Es ist zur Zeit schwierig die richtige Route zur arabischen Halbinsel zu finden. Neben Coronarestriktionen erschweren politische Unsicherheiten und das Wetter die Planung. Es lohnt sich absolut nicht die Route an Corona-bedingten Erschwernissen auszurichten, denn die Einschränkungen ändern sich sowieso dauernd. Ebenso wenig zielfühend ist es über die politischen Entwicklungen zu spekulieren, wir können sowieso nichts ändern. 

Bleibt die Jahreszeit. Egal wo wir lang fahren, es ist kalt und damit wenig einladend für Besichtigungen. Wir haben uns nach langen Überlegungen für die nördlichste Variante entschieden, denn zum einen waren wir noch nie in Polen (Schande über uns ...), und zum anderen ist es die vermutlich schnellste Strecke um wärmere Weltgegenden zu erreichen.

Von zu Hause fahren wir zunächst Ostwärts nach Dresden, dann durch Südpolen in die Ukraine. In der Ukraine geht es nach Odessa, wo wir die Fähre nach Georgien nehmen wollen. Bis Odessa sind es gut 2.400 Kilometer. Im Sommer würden wir dafür mindestens zwei Wochen benötigen. Jetzt geben wir mehr Gas. In etwa 10 Tage für die Strecke bewältigen. 

Wir fahren, wie geplant, am 31. Januar los. Das Wetter ist wie befürchtet. Kalt, Regen, Sturm …. kurz, das reinste Vergnügen. Nach einem kurzen Zwischenstopp in Dresden, wo wir einen Freund zum Abendessen treffen, geht es zügig über Görlitz nach Breslau. 
Görlitz - Altstadt
Dort sehen wir erstmals die Sonne. Die Stadtbesichtigung von Breslau wird so zu einer schönen Unterbrechung der Fahrt und sie lohnt sich. Im Zentrum von Breslau sind nach dem Krieg die Zerstörungen von polnischen Handwerkern mit viel Geschick beseitigt worden. In den letzten Jahren ist das zentrum, sicher auch mit großzügiger Unterstützung der EU, erneut saniert und weiter verschönert worden. Unser Spaziergang über den Ring und die angrenzende Fußgängerzone vermittelt uns das „richtige“ Reisegefühl. 
Breslau - Der Ring

Breslau - Oderinsel

Breslau - Findet man in der Fußgängerzone

Am nächsten Tag besichtigen wir die KZ-Gedenkstätte Auschwitz/Birkenau. Das sonnige Wetter vom Vortag hat sich verflüchtigt. Nebel hüllt die Landschaft ein und erzeugt eine etwas unheimliche Atmosphäre. Eigentlich ganz passend zu diesem Ort. Üblicherweise ist die Gedenkstätte ziemlich überlaufen (mehr als 2 Mio. Besucher im Jahr). Bei unserem Besuch ist es jedoch erstaunlich leer. Die relativ wenigen Besucher verteilen sich gut auf dem riesigen Gelände. Neben uns nimmt nur noch ein Ehepaar an der Führung, die insgesamt 3,5 Stunden dauert, teil.
Lagereingang Auschwitz

Selektionsrampe in Birkenau

Die ersten beiden Stunden sind dem Hauptlager Auschwitz I und die restliche Zeit – nach einer kurzen Pause – dem Nebenlager Birkenau gewidmet. Auch wenn der Besuch insgesamt belastend ist, sind wir beide der Meinung, dass es sich gelohnt hat zu sehen zu welchen Taten der Mensch fähig sein kann. 

Wir fahren noch die wenigen Kilometer nach Krakau und übernachten am Ufer der Weichsel. Morgen beginnt der zweite Teil unserer Anreise nach Odessa mit der Besichtigung von Krakau.

Übernachtung an der Weichsel bei Krakau

Samstag, 22. Januar 2022

Corona zum Trotz - Es geht wieder los

Nach mehr als 20 Monaten geht es wieder los. Dies gilt sowohl für unsere Weltreise, als auch für diesen Blog. Doch bevor wir die neuen Pläne vorstellen, ein kurzer Blick zurück.

Unser letzter Blogeintrag ist vom April 2020. Damals haben wir die Hoffnung gehabt, das der Spuk (Corona) nach ein paar Monaten vorüber sein wird. Wie wir uns getäuscht haben …

Im September 2020 entscheiden wir uns die 8.Etappe endgültig abzubrechen und das ich das Ogermobil nach Hause hole.

Dies ist leichter gesagt als getan, denn Indonesien hat die Grenzen für Touristen geschlossen. Ein Schlupfloch ist jedoch geblieben. Wir benötigen ein Businessvisum. Dazu braucht man eine Einladung. Jetzt kommen uns unsere Kontakte in Indonesien zu Gute. Es dauert nicht lange bis wir eine – von der Regierung bestätigte - Einladung zu Geschäftsbesprechungen haben. Das Visum ist Formsache und das Buchen des Fluges ebenfalls.

Ende Oktober komme ich in Jakarta an. Der Flieger ist wieder sehr leer, der Flug angenehm.

Ich bin gespannt wie die Indonesier mit Corona umgehen. Am Flughafen wird mehrmals der Coronatest kontrolliert und abgestempelt. Für die nächsten Tage ist der Test das wichtigste Stück Papier das ich dabei habe, denn für Zug, Flug und Fähren wird ein Testzertifikat benötigt

In Jakarta hat sich die Lage normalisiert. Alle Geschäfte, Restaurants und Parks sind wieder geöffnet. Lediglich in den Bussen soll Maske getragen werden.

Ich beziehe zunächst ein Hotel und mache mich an die Organisation der Verschiffung des Ogermobils. Die Schiffspassage, diesmal RoRo, habe ich schon in Deutschland bei Caravan-Shippers gebucht. Jetzt geht es noch um die zolltechnische Abfertigung des Ogermobils im Hafen von Jakarta. Ich beauftrage wieder GAP-Logistics. Wieder kümmern sich Ika und Stefanus um alles.

Nach drei Tagen steht der Ablauf zur Einlieferung und es ist klar welche Unterlagen benötigt werden. Dummerweise muss das Original des Carnet de Passages (CDP) schon jetzt beim Zoll eingereicht werden. 

Also fahre ich mit dem Zug „schnell“ nach Ciamis zum Ogermobil und hole das CDP. Fahrtdauer in eine Richtung 8 Stunden. Morgens losgefahren bin ich spät am Abend wieder in Jakarta, übergebe das Carnet und setze mich das dritte Mal in den Zug um nun endgültig zum Ogermobil zu fahren. Jedes mal wird der Coronatest kontrolliert und abgestempelt. Langsam füllt sich das Blatt mit Stempeln.

In Ciamis angekommen werde ich freudig begrüßt. Das Internat ist in der Zwischenzeit wieder geöffnet und der Schulbetrieb verläuft normal. Alle sind entspannt. Von der Nervosität im April ist nichts mehr zu spüren. Allen geht es gut, auch dem Ogermobil.. Lediglich ein Reifen hat Luft verloren. Nach dem Entfernen der Folie schließe ich auf....es riecht etwas muffig, aber ansonsten ist alles in bester Ordnung.

Das Ogermobil - unbeschädigt

Der spannendste Moment ist immer das Starten des Motors nach einer längeren Pause.

Und Voilá....er springt sofort an.

Am nächsten Morgen organisiert die Schule eine Willkommensfeier. Alle Schüler treten zum gemeinsamen Sport mit anschließender Frage- und Fotostunde an. Tagsüber mache ich das Ogermobil reisefertig, putze und lüfte, abends noch Vorträge in den höheren Klassen. Der Tag ist lang aber keinesfalls langweilig.


Gymnastikvorführung am Morgen

Gruppenfoto mit der Fußballmannschaft

Englischklasse des Abschlussjahrgangs

Der Rest ist schnell erzählt. Die Zeit bis zur Abgabe des Ogermobils im Hafen verbringe ich am Strand von Bantu Karas. Ein beliebter Ausflugsort mit guten Bademöglichkeiten.


Am Strand von Bantu Karas

Dann fahre ich nach Jakarta, führe das Ogermobil beim Zoll vor und gebe es im Hafen ab. Das dauert zwei Tage. In dieser Zeit wohne ich in einer sehr schönen Firmenwohnung von GAP-Logistics.
Firmenwohnung

Geschafft - Das Ogermobil steht im Hafen, bereit zur Verladung

Nachdem jetzt meine Hauptarbeit erledigt ist, gehe ich noch eine Woche Tauchen nach Una-Una. Es ist toll. Das Resort ist geöffnet und ich bin der einzige Gast. Die Tauchgänge sind superschön, da lediglich mein Tauchguide und ich unterwegs sind. Keine anderen Gruppen, nichts.

Una-Una - Pristine Resort
Auf dem Weg nach Una-Una

Die Indonesier sind wieder gewohnt freundlich und freuen sich ehrlich über den ersten Touristen „nach Corona“.
Tauchguide und Resortchef

In der Zwischenzeit hat das Schiff mit dem Ogermobil den Hafen verlassen und ist auf den Weg nach Singapur. Dort wird das Ogermobil in das Schiff nach Bremerhaven umgeladen.

Fast pünktlich kann ich das Ogermobil am 12 Januar 2021 in Empfang nehmen. Unbeschädigt.

Damit ist die 8. Etappe – trotz aller Widrigkeiten – glücklich zu Ende gegangen.

Soweit der Nachtrag zur 8.Etappe


Wie schon gesagt, jetzt geht es wieder los. Am 31. Januar brechen wir zur 9. Etappe auf. Wir wollen auf die Arabische Halbinsel. Die VAE und der Oman sind unser Ziel. 

Der Plan ist, die EXPO in Dubai zu besuchen und danach Salalah im Oman. Auf dem Weg dorthin fahren wir durch die Ukraine, nehmen das Schiff nach Georgien und besuchen den Iran. Von dort wollen wir zur „Wiege der Zivilisation“ nach Ur, Babylon und Samarra im Irak, dann durch Saudi Arabien in die VAE.

Zur Zeit sind alle Grenzen für Touristen geöffnet und wir hoffen, dass sich das auch nicht ändert …...

Es bleibt spannend.


Donnerstag, 16. April 2020

Wieder zu Hause


Den Wettlauf gegen die Zeit haben wir gewonnen. Wir sind in Jakarta im Hotel. Jetzt haben wir viel Zeit, denn unser Flug nach Deutschland geht erst in 6 Tagen.

Viel Abwechslung in der Stadt gibt es nicht. Manche Geschäfte sind geöffnet, andere nicht. Restaurants haben geöffnet, oder eben nicht. Zum Besichtigen gibt es nichts, denn alle Parks und Sehenswürdigkeiten sind geschlossen. Im Grundsatz ist unser Programm an jedem Tag gleich. Ausführliches Frühstück, dann schwimmen, eine Exkursion in die Stadt um ein geöffnetes Restaurant zu finden. Danach nochmals schwimmen und Abends relativ früh ins Bett.
Mittelpunkt unseres Universums - Pool des Hotel Borobudur Jakarta
Für Abwechslung sorgen zwei Brasilianer, die bereits ein paar Wochen im Hotel leben. Sie arbeiten im Auftrag einer brasilianische Rüstungsfirma für das indonesische Militär. Wobei die Arbeit sich zur Zeit darin erschöpft, das sie darauf warten nach Brasilien zurück zu reisen. Das Gute ist, dass die Firma alle Kosten trägt, so sind sie äußerst freigiebig und laden uns zweimal zum Abendlichen Umtrunk am Pool ein.

Die tägliche Routine wird am vorletzten Tag jäh durchbrochen. Wir müssen unser Zimmer mit einer Suite im Gartenflügel tauschen. Grund: Das Hauptgebäude des Hotels wird wegen Renovierungsarbeiten geschlossen. Wir residieren nun in einer 75 m² großen Zweizimmerwohnung mit Küche und Bad direkt neben dem Pool. Wieder trifft unser alter Spruch zu: Wir könnten es schlechter treffen.

Das ist auch das Motto für den Flug nach Hause. Mit etwas Verspätung werden wir am Donnerstag 09.04. zum Flughafen gefahren. Der Flughafen ist gespenstisch. Gähnende Leere wohin man blickt. Lediglich die Schalter der Quatarairways sind geöffnet. 
Check-In ohne Warteschlangen
Das gleiche Bild an der Passkontrolle. Dort wo sonst Warteschlangen den Raum füllen, sitzen jetzt nur vier einsame Beamte und warten auf die vereinzelten Reisenden. 
Flughafen Jakarta I - Viel Platz
Flughafen Jakarta II - Bis auf zwei Flüge sind alle Verbindungen gestrichen 
Die Lounge leer, lediglich 8 Gäste (inkl. uns). Das Flugzeug. Vielleicht zu einem Drittel besetzt. Wir fliegen Business Class, d.h. bei Quatarairways neuerdings Q-Suite. Wir haben die Q-Suite für Ehepaare. Ein eigenes kleines Abteil . Die großzügigen Sitze werden zum Schlafen zu einem ziemlich großem Doppelbett auf dem wir gut schlafen. So verschlafen wir 2/3 der gut neunstündigen Flugzeit nach Doha.
Q-Suite - So lässt es sich aushalten
In Doha haben wir 5 Stunden Aufenthalt bis wir nach Frankfurt weiterfliegen. Den Aufenthalt nutzen wir um herauszufinden, wie denn jetzt die Einreisebedingungen in Deutschland sind. Seit Tagen geistert die Meldung durch die Medien, dass Reiserückkehrer in Deutschland für 14 Tage in Quarantäne sollen. Gültig soll diese Regelung ab Karfreitag, unserem Ankunftstag, sein. Beim Blick in Internet stelle ich fest, dass es in Hessen tatsächlich so sein wird, da von der hessischen Landesregierung eine entsprechende Verordnung erlassen wurde. Die Landesregierung in Stuttgart hat jedoch nur die Verordnung erlassen, dass eine Verordnung erlassen wird. Also keine Quarantäne ... es lebe der Föderalismus.
Flughafen Doha - Leere Lounge
Der Rest ist schnell erzählt. Der Flug nach Frankfurt unterscheidet sich nicht von unserem Flug nach Doha. Überpünktlich landen wir in FRA. Der Flughafen ist ebenfalls gähnend leer. Die Bundespolizei und der Zoll glänzen durch Desinteresse. Keiner interessiert sich für irgendetwas. Die Passkontrolle oberflächlich, die Zollkontrolle nicht existierend. Eine Gesundheitskontrolle scheint in FRA unbekannt zu sein.

Jedenfalls sind wir in wenigen Minuten aus dem Flughafen heraus. Unsere Kinder holen uns ab und in weniger als 90 Minuten sind wir zu Hause.

Donnerstag, 9. April 2020

Indonesien 15 - Wettlauf gegen die Zeit

Die Überfahrt nach Jawa ist so entspannend verlaufen, wie nach unseren ersten Eindrücken an Bord vermutet. Gegen Mitternacht kommt die Fähre in Surabaya an. Der zweitgrößte Hafen Indonesiens liegt still und verlassen vor uns. Kein Schiff wird be- oder entladen. Das gleiche Bild bietet sich in der Stadt Surabaya. Die Straßen sind leer, alle Geschäfte geschlossen, und das Auffälligste … kein einziger, der normalerweise unzähligen kleinen Imbisswagen ist zu sehen. Uns dämmert langsam, dass unsere Heimreise sich zu einem Wettlauf gegen die Zeit entwickeln könnte. Erreichen wir Jakarta bevor das Land zum Stillstand kommt?

Von Surabaya bis nach Ciamis, wo wir das Ogermobil einstellen wollen, sind es gut 700 Kilometer, dann noch weitere 300 Kilometer bis Jakarta.

Die ersten 500 Kilometer fahren wir auf der Autobahn. In der jetztigen Situation hat die Autobahn nur Vorteile. Wenig Verkehr, gute Straße und große, ruhige Raststätten, die ideal zum Übernachten sind.
Ruhige und weiträumige Autobahnraststätte bei Semarang
Die letzten 200 Kilometer auf der Landstraße nach Ciamis werden zur Geduldsprobe. Zwar ist der Verkehr, im Gegensatz zum Februar, auch hier sehr spärlich geworden, dafür sind die Anwohner und Ordnungshüter sehr misstrauisch gegenüber Fremden. Als wir einer vermeintlichen Abkürzung folgen und in einem kleinem Dorf landen, drehen die Bewohner völlig durch. Mit ihren Mopeds blockieren sie die Straße und hindern uns an der Weiterfahrt. Der Bürgermeister und die örtliche Polizei rufen den Dorfarzt zur Untersuchung unseres Gesundheitszustandes.
Keine erhöhte Temperatur - Alles wieder gut
Nachdem dieser unsere Temperatur gemessen und uns für unbedenklich erklärt hat, löst sich die unangenehme Situation auf. Die Anwohner organisieren, Kaffee und Tee, sitzen mit uns zusammen und entschuldigen sich für die Unannehmlichkeiten. Bis wir weiterfahren können sind aber fast zwei Stunden vergangen.
Am Ende gibt es ein offizielles Schreiben - mit Stempel - vom Bürgermeister
Auch beim Einkaufen werden wir misstrauisch beäugt. Wenn wir anhalten dauert es nicht lange bis die Polizei, die sich zuvor monatelang nicht für uns interessiert hat, auftaucht und nach dem Woher und Wohin fragt. Sobald das Wohin weit weg ist, sind die Polizisten glücklich, lassen uns nicht aus den Augen bis wir weiterfahren und winken uns entspannt und erleichtert nach.

Nach vier Tagen erreichen wir endlich den Unterstellplatz für das Ogermobil in Ciamis. Die Leitung des islamischen Internats in Ciamis hat uns erlaubt das Auto auf dem Gelände abzustellen. Das Internat ist in der Zwischenzeit auch geschlossen. Die Schüler wurden nach Hause geschickt. Lediglich die Lehrer sind noch da. Wir sind froh dass wir es geschafft haben. Die Freude dauert aber nicht lange, denn auch hier taucht die Polizei auf.
Und wieder Polizei - Nach intensiver Diskussion geht es zum Labor
Bevor wir das Auto unterstellen können, wollen sich die Vertreter der Ordnungsmacht davon überzeugen, dass wir gesund sind und schleppen uns bei strömenden Regen zu einem Labor. Hier wird ein Anti-Körper-Schnelltest durchgeführt. Die arme Laborantin, ein junges Mädchen in Ganzkörperschutzanzug, ist total aufgeregt. Da sie erst einmal Ihre Testflüssigkeiten unkontrolliert verschüttet, muss sie den Test wiederholen. Voller Anspannung warten die Polizisten auf das Testergebnis. Es dauert eine halbe Stunde bis per Telefon verkündet wird, dass das Ergebnis „Negativ“ lautet. In diesem Fall ist „Negativ“ äußerst positiv. Die Anspannung löst sich schlagartig. Jeder möchte wieder Bilder mit uns machen. Alle sind freundlich und zuvorkommend.

Uns reicht es jedoch. Es ist inzwischen 20:00 Uhr, wir sind klatschnass vom Regen und wollen nur noch ins Bett, denn morgen um 9:50 Uhr fährt unser Zug nach Jakarta.

Wir stehen wieder früh auf. Das Ogermobil muss noch auf den Stellplatz und für die Standzeit eingepackt werden. Der Standplatz ist wirklich gut. Zwischen der Moschee und den Lehrerwohnungen stellen wir das Ogermobil ab. Packen mit Hilfe von Br. Sarip die Plane auf das Auto und werden gerade rechtzeitig zur Abfahrt des Zuges fertig.
Geschafft - Das Ogermobil steht gut verpackt auf seinem Standplatz
Bisher gab es 5 Züge am Tag, die nach Jakarta fuhren. Im Moment ist dieser Zug die einzige Möglichkeit in die Hauptstadt Indonesiens zu kommen.

Der Zug ist nicht gerade der schnellste ICE unter der Sonne, denn er braucht für die 300 Kilometer nach Jakarta locker 8 Stunden. Acht Wagons mit je 125 Sitzplätzen rattern also gemütlich über die ausgelutschten Schienen nach Jakarta.
Viel Zeit - An manchen Zwischenhalts können wir uns die Füße vertreten
In unserem Wagon befinden sich noch 2 Mitreisende. In den anderen sieben Wagons sieht es nicht anders aus. Insgesamt knapp 50 Reisende. Reichlich Platz um es sich auf den Bänken gemütlich zu machen. Das Internet funktioniert (im Gegensatz zu Deutschland) durchgehend und wir bekommen regelmäßig Kaffee aus dem Speisewagen gebracht.
Viel Platz - Zug nach Jakarta
Nicht nur deshalb ist die Fahrt kurzweilig, Wir fahren durch die interessante Berglandschaft West-Jawas, Über kühne Brückenkonstruktionen, durch enge Kurven am steilen Berghang, vorbei an pittoresken Reisterrassen und Bilderbuchvulkanen rumpeln wir Richtung Jakarta.
8 Stunden Fahrzeit - Zeit um die Landschaft zu genießen

Kurz nach Sonnenuntergang kommen wir in Jakarta an. Nehmen (wieder bei strömenden Regen) ein Taxi zum Hotel Borobudur und erreichen dieses gegen 19:00 Uhr. Auch hier, kein Eintritt ohne Gesundheitsprüfung. Wieder einmal wird Temperatur gemessen. Anschließend werden wir in einem Plastikzelt mit einer übelriechenden, wahrscheinlich desinfizierenden Flüssigkeit besprüht.

Unser Hotel hat knapp 1000 Zimmer. Von denen sind etwa 50 belegt. Gähnende Leere. Von sieben Restaurants sind sechs geschlossen. Tennisplätze, Gym, Squash-halle, alles zu. Lediglich der parkähnliche Garten mit dem 50 Meter Schwimmbecken ist geöffnet. Dafür gibt es Sonderpreise. Inklusive Frühstück kostet die Nacht nur 33 € (pro Zimmer). Hier können wir es bis zum Abflug nach Deutschland gut aushalten.
Ein Pool (fast) für uns alleine
Zum Abschluß des Tages gönnen wir uns, völlig entspannt, ein frisch gezapftes Bier in der Hotelbar, denn wir haben den Wettlauf gegen die Zeit gewonnen.
Blick über Jakarta aus unserem Zimmer